Am 23. März protestieren Apothekenteams bundesweit – außer in Baden-Württemberg. Hier hat die Landesapothekerkammer (LAK) ihren Mitgliedern jedenfalls die komplette Schließung mit Verweis auf „alternative Protestmöglichkeiten“ verboten. Die Schellenberg-Apotheke in Hüfingen will sich – gemeinsam mit anderen Apotheken im Umkreis – mit einer abgespeckten Version beteiligen. „Wir sind so systemrelevant, dass man uns den Streik verbietet. Wir kriegen keine Honorarerhöhung, man lässt die Apotheken sterben, aber streiken dürfen wir nicht für unsere Rechte“, betont Inhaberin Sarah Mast.
„Ich kannte einige Apotheken, die im Vorfeld gesagt haben, dass sie mitstreiken wollen“, so Mast. Dann kam das Verbot durch das Sozialministerium, dass von der Kammer umgesetzt wurde. „Unser Verband hat uns mitgeteilt, dass er uns aufgrund der Gesetzwidrigkeit nicht zum Streiken raten kann“, erinnert sich die Inhaberin. „Aber wir wurden gebeten, trotzdem in irgendeiner Form teilzunehmen um den bundesweiten Protest zu unterstützen.“
Das Verbot kann die Inhaberin nicht nachvollziehen. „Ich denke viele Kunden unterstützen den Prozess. Umso trauriger ist es, dass uns das Ministerium den Streik untersagt. Das letzte Mal hat es doch auch gut geklappt.“ Die Kundschaft sei im Vorfeld informiert worden. „Und da hat sich niemand aufgeregt, im Gegenteil.“
Das Argument, man könne den Leuten nicht zumuten, an zwei Tagen hintereinander – Sonntag und Montag – in den Notdienst zu gehen, hält Mast für scheinheilig. „Genau darum geht es doch: Wenn die Apotheke dicht ist, müssen die Leute weitere Kilometer fahren.“
Nach wie vor wüssten viele Menschen nicht von der Lage, in der sich Apotheken befinden. „Und deswegen ist dieser Streik so wichtig: Wir wollen möglichst viele Menschen erreichen und viel Aufmerksamkeit generieren.“
Die Situation in Baden-Württemberg sei paradox, findet Mast. „Lokführer dürfen streiken, Piloten, Krankenschwestern, Altenpfleger. Alle möglichen Leute dürfen das, aber Apotheken wird es verboten.“
Für die Apothekerin spreche dies eine ganz eigene Sprache: „Wir sind so systemrelevant, dass man uns den Streik verbietet. Wir kriegen keine Honorarerhöhung, man lässt die Apotheken sterben, aber streiken dürfen wir nicht für unsere Rechte – uns lässt man kaputt gehen.“
Für Mast sind Geschlossenheit und Sichtbarkeit zentral. „Und sichtbar wird es eben nur, wenn genug Leute mitmachen.“ Das weiß sie auch durch die Situation im Städtedreieck Bräunlingen/Hüfingen/Donaueschingen, in dem ihre Apotheke liegt. „Es ist wichtig, dass wir hier versuchen, eine einheitliche Lösung zu finden, die für alle gangbar ist.“
Genau darauf haben sich die umliegenden Apotheken in einem gemeinsamen Austausch verständigt. „Wir haben uns auf einen Protest light geeinigt.“ Am 23. März bleiben die Apotheken dunkel, die Teams tragen schwarze Kleidung. Darüber freut sich die Inhaberin sehr: „Damit wir nach außen hin Geschlossenheit zeigen können und damit keinem hier ein Nachteil entsteht, ist es für mich umso schöner, dass wir Apotheken in Donaueschingen, Bräunlingen und Hüfingen im Austausch miteinander wieder eine gemeinsame Lösung gefunden haben und dass der Kollege aus Bräunlingen direkt das passende Plakat gestaltet und allen zur Verfügung gestellt hat.“ Das Thema der Plakate lautet: „Bald gehen überall in Deutschland in noch mehr Apotheken die Lichter für immer aus.“
Demnach würden die Maßgaben der Kammer eingehalten. „Die Leute können ja trotzdem zu uns kommen, es ist ja offen.“ Masts Hoffnung: Mit den Kundinnen und Kunden ins Gespräch kommen. „Und vielleicht ist auch gerade das Streikverbot ein Aufhänger, der noch mehr Aufmerksamkeit schafft.“