Saarland

Rassistische Mundart-Schimpfwörter als Apotheken-Dekoration APOTHEKE ADHOC, 26.05.2020 15:12 Uhr

Berlin - In Saarlouis sorgte die Schaufenster-Dekoration einer Apotheke für politischen Zündstoff. Die Glocken-Apotheke hatte wie bereits vor fünf Jahren Auszüge aus einem Mundart-Buch als Texttafeln aufgestellt. Zwei Monate blieben die Schimpfwörter in Saarlouiser Mundart ohne negative Reaktion. Erst nach einem Facebook-Post schaltete sich Oberbürgermeister Peter Demmer (SPD) und der Integrationsbeirat der Stadt ein. Apothekerin Ulrike Thiele entfernte die anstößige Texttafel sofort aus ihrer Dekoration.

Unter anderem gab es auf den Texttafeln die Kategorie „Anders-Artige“. Begriffe wie „Ittacker“ oder „Kammeeltreiwer“, „Saarfransoos" oder „Ziggeiner“ standen darauf zu lesen. Vor allem auf Facebook empörten sich Bürger darüber, dass sich darin Fremdenfeindlichkeit widerspiegle. Dann schauten zwei Mitglieder des Integrationsrates persönlich in der Glocken-Apotheke vorbei. „Ich nehme das ernst, ich kann verstehen, dass Leute das nicht als Zeitdokument betrachten“, so Thiele und entfernte die Texttafel umgehend aus dem Apotheken-Schaufenster. Die Saarbrücker Zeitung griff den Fall auf, die Bild-Zeitung ebenfalls und sogar das Saarländische Fernsehen.

Am meisten getroffen hat Apothekerin Thiele aber in einem Facebook-Posting ein Bezug zu Nazi-Zeiten: „Damit habe ich nun überhaupt nichts zu tun. Das verletzt mich sehr. Warum können die Menschen mit ihrer Kritik nicht direkt in meine Apotheke kommen und mit mir persönlich über die Dekoration sprechen“, so Thiele. Für ihren eigenen Fauxpas entschuldigt sich die Apothekerin.

Natürlich schaltete sich auch die Lokalpolitik in die Deko-Diskussion ein. Oberbürgermeister Demmer äußerte sich: „Am vergangenen Wochenende wurde ich auf die Gestaltung eines Apothekenfensters in Saarlouis aufmerksam gemacht, die zu Recht für viel Unmut gesorgt hat. Auf einer Schrifttafel sind dort zahlreiche saarländische Mundartbegriffe gesammelt, unter anderem auch solche, die hier ohne weitere Erklärung ethnische Gruppen diffamieren. Unter diesen Begriffen hatten viele Menschen jahrzehntelang zu leiden und anhand der emotionalen Reaktionen erkennt man leicht, dass diese Gefühle unter den Betroffenen noch heute sehr präsent sind“, sagte Demmer gegenüber der Saarbrücker Zeitung. „Saarlouis ist Europastadt, wir stehen für Offenheit und ein gelebtes Miteinander und dort, wo Menschen verletzt werden, hat auch jeder Spaß ein Ende. Wir haben uns heute Morgen mit der Betreiberin in Verbindung gesetzt, und das Plakat wurde dankenswerterweise umgehend aus dem Schaufenster entfernt“, heißt es in der Stellungnahme. Ebenso positionierte sich Demmer auch auf Facebook.

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