Interview mit Funke-Mediengruppe

Preis: Erhöhung der Zuzahlung nur mit „Augenmaß“

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Berlin -

Abda-Chef Thomas Preis hat sich gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe zum Einfluss des Iran-Krieges auf den deutschen Arzneimittelmarkt geäußert. Bisher sei in Deutschland „gar nicht so viel zu spüren“. Stattdessen lenkte Preis das Gespräch auf die Krisenfestigkeit der Apotheken vor Ort und sprach sich auch gegen den Vorschlag der Finanzkommission Gesundheit aus, die Zuzahlung um 50 Prozent anzuheben.

„Diese gesetzliche Zuzahlung, die übrigens direkt an die Krankenkassen geht, darf nur mit Augenmaß erhöht werden“, sagte er im Interview. Bürgerinnen und Bürger dürfen nicht überbelastet werden. „Das Schlimmste wäre, wenn Patienten die verordneten Medikamente gar nicht einnehmen, weil sie sich die Zuzahlung sparen wollen, dann wird es am Ende viel teurer. Die Bundesregierung muss darüber noch mal in Ruhe nachdenken, ob das am Ende wirklich die gewünschten Effekte hat.“

Iran-Krieg bisher ohne Einfluss

Danach gefragt, „wie stark der Iran-Krieg die Arzneimittelversorgung in Deutschland“ bedrohe, entkräftete Preis: „Wir haben im Moment keine durch den Iran-Krieg hervorgerufenen Lieferengpässe, aber man kann das natürlich in Zukunft gar nicht ausschließen. Wir sind sehr aufmerksam. Es gibt erste Meldungen darüber, dass zum Beispiel Einmalhandschuhe knapp werden könnten.“

Doch die Apotheken hätten Routine im Umgang mit Lieferengpässen, auch wenn das viel Zeit koste, „was gar nicht eingepreist ist in unser Honorar. Jede Apotheke investiert pro Woche über 20 Stunden, um dieser Lieferengpässe Herr zu werden“, betonte Preis.

Er erklärt im Interview, wie abhängig die Arzneimittelversorgung grundsätzlich vom geopolitischen Geschehen sei. Viele Produkte kämen aus China und Indien „und die sind sehr stark abhängig von den Erdöllieferungen, die für die Produktion von Bestandteilen von Arzneimitteln gebraucht werden. Und deshalb beobachten wir die Entwicklung sehr genau.“

Unmittelbare Preissteigerungen seien bei Arzneimitteln aufgrund des Krieges jedoch nicht zu erwarten. „Wenn die Situation in der Golfregion jedoch sehr lange andauert, sind Kostensteigerungen nicht mehr vermeidbar. Vielleicht werden die Hersteller manches unwirtschaftliche Medikament nicht mehr herstellen können. Dann müsste man auf andere Produkte ausweichen.“ Hier würden die Apotheken wie immer „alles daran setzen“, den Patient:innen zu helfen.

Per Verhandlungslösung gegen das Apothekensterben

Doch für diese Fürsorge und Versorgungssicherheit brauche es auch das entsprechende Honorar. Darum kämpften die Apotheken weiter, so Preis. „Wir müssen schnell die Möglichkeit bekommen, unser Honorar regelmäßig mit den Krankenkassen auszuhandeln.“ Bei der Ärzteschaft führe das bereits regelmäßig zu höheren Honoraren. „Einen solchen Mechanismus brauchen wir auch, um nicht erneut 13 Jahre von Kostensteigerungen entkoppelt zu werden.“

In ihrem Bericht habe die Finanzkommission Gesundheit zur Erhöhung des Fixums zudem die Entwicklung der Grundlohnrate zugrundegelegt. Die Notwendigkeit einer Dynamisierung wäre damit bestätigt, so auch Preis: „Wenn man das zurückrechnet auf die letzten 13 Jahre, dann müsste das Fixum jetzt bei mehr als 12 Euro liegen. Das Wichtige ist, dass diese Umstellung jetzt sofort kommt und nicht verzögert wird, weil sonst weitere Apotheken schließen.“

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