Bundestag

Lindemann: Lobbyist im FDP-Büro

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Berlin -

In der Berliner Gesundheitsszene ist der FDP-Politiker Lars Lindemann so etwas wie eine Berühmtheit. Jeder kennt sein Gesicht, jeder grüßt ihn. Lindemann bleibt nicht unbemerkt, wenn er den Raum betritt. Der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete arbeitet als Hauptgeschäftsführer des einflussreichen Spitzenverbandes Fachärzte (SpiFa). Jetzt assistiert der Lobbyist als Teilzeitkraft außerdem dem neugewählten FDP-Abgeordneten Christoph Meyer. Das sorgt für Aufmerksamkeit.

Es ist ein eher ungewöhnliches Arbeitsverhältnis: Wie die „Bild am Sonntag“ (Bams) herausfand, steht Lindemanns Name auf einer internen Telefonliste des Bundestages als Mitarbeiter des FDP-Abgeordneten Christoph Meyer. Damit besitzt Lindemann einen Hausausweis für den Bundestag und hat somit Zugang zu allen Abgeordneten – für einen Lobbyisten eine wichtige Voraussetzung. Um Geld dürfte es Lindemann bei seinem Teilzeitjob für Meyer nicht gehen. Denn Lindemann, bis 2013 selbst FDP-Bundestagsabgeordneter, verdient laut Bams beim SpiFa ein sechsstelliges Jahresgehalt als Hauptgeschäftsführer.

Auf der Homepage von Meyer taucht Lindemann nicht in der Team-Vorstellung auf. Auf Anfrage bestätigte Meyer aber gegenüber Bams einen Arbeitsvertrag: „Ich habe mir über seine Verbandstätigkeit bislang keine Gedanken gemacht. Ich bin neu im Bundestag, und er berät mich. Ich habe mit Gesundheitspolitik auch nichts zu tun.“ Laut Meyer handelt es sich um eine „geringfügige Beschäftigung, weniger als zehn Stunden pro Woche“. Wie viel Geld er Lindemann für dessen Unterstützung zahlt, will Meyer nicht verraten.

Laut Haushaltsgesetz stehen jedem Abgeordneten 20.870 Euro pro Monat für Mitarbeiter zur Verfügung. Maximal darf ein Mitarbeiter 8011 Euro verdienen. Inzwischen plagt Meyer ein ungutes Gefühl: „Vielleicht hat die Sache einen Geschmack, den ich bisher nicht gesehen habe. Mein persönlicher Eindruck ist jetzt, dass wir den Vertrag auflösen werden“, sagte er der Bams.

Der Cheflobbyist und Meyer kennen sich sehr gut, machten in der Berliner FDP Karriere. Meyer ist 41 Jahre alt, in Berlin Wilmersdorf aufgewachsen und wohnhaft in Steglitz. Von 2002 bis 2011 war er Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin und ehemaliger Fraktions- und Landesvorsitzender der Berliner FDP.

Wer Lindemann beschäftigen will, dem sind jedenfalls Schlagzeilen sicher: Zuletzt wollten ihn die Ärzte als unparteiisches Mitglied in den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) schicken. Das löste Proteste aus. Der Bundestag verweigerte die Bestätigung. Der G-BA legt immerhin fest, welche Diagnosen und Behandlungsformen von den Kassen bezahlt werden.

Den studierten Juristen und Betriebswirt Lindemann verschlug es vor 14 Jahren ins Gesundheitssystem: Von 2004 bis 2008 war er Geschäftsführer der Evangelischen Kliniken Lehnin und einer Trägergesellschaft für Altenpflege. Zudem amtierte er als Vorstandsmitglied der Akademie für Palliative Care in Brandenburg. Gemeinsam mit seiner Frau, einer HNO-Ärztin, und weiteren Partnern gründete der umtriebige Lindemann außerdem zwei Trägergesellschaften, die in Potsdam und Teltow MVZ beziehungsweise Ärztezentren aufbauen sollten.

Seit 1996 ist er Mitglied der FDP. Von 2009 bis 2013 saß er als Bundestagsabgeordneter unter anderem im Gesundheitsausschuss. Noch vor dem Ausscheiden seiner Partei aus dem Parlament hatte er seine Karriere vorangetrieben: Im Dezember 2012 holte ihn die unter anderem auf Medizinrecht spezialisierte Kanzlei Ehlers, Ehlers & Partner an Bord. Auch das sorgte für Aufmerksamkeit. Dort ist Lindemann inzwischen ausgeschieden.

Seine Berufung an die SpiFa-Spitze sorgte 2013 auch für Kritik in den eigenen Reihen. Man habe Verständnis dafür, „dass sich Bundestagsabgeordnete während ihrer Mandatszeit darum bemühten, in ihrem ursprünglichen Beruf einen Fuß in der Tür zu behalten“, hieß es in einem Antrag der Jungliberalen (Julis) für den Wahlparteitag seiner Berliner Landespartei. „Wir erwarten jedoch, dass jeder Bundestagsabgeordnete dabei den hohen Ansprüchen an die Unabhängigkeit seines Mandats und der Transparenz gegenüber den Bürgern genügt.“ Die Tatsache, dass ein Mitglied des Gesundheitsausschusses im Bundestag nebenher als Hauptgeschäftsführer des Interessenverbandes der Fachärzte tätig sei, werfe Fragen auf. Von solchen Fragen lässt sich Lindemann nicht abhalten.

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