Transplantationen

Kritik an Organvergaben dpa, 26.04.2012 09:48 Uhr

Berlin -

Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung fordert eine Reform der Organspende und kritisiert vor allem die zuständige Koordinierungsstelle, die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). „Das Verhalten innerhalb des Transplantationssystems ist eine Black Box. Die Politik muss endlich Konsequenzen aus dieser Intransparenz ziehen“, sagt Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung.

Es sei unklar, wer über die Verteilung von Spenderorganen „und damit über Lebenschancen“ entscheide. Dadurch könne der Eindruck entstehen, die im Gesetz festgelegten Kriterien würden „in der Praxis nicht immer so angewendet“, so Brysch weiter. „Weder die Patienten noch die Bevölkerung oder die Ärzte, nicht mal die Politik weiß, was dort geschieht.“

Die DSO wurde zuletzt heftig angegriffen, Anstoß war eine anonyme Mail an das Bundesgesundheitsministerium (BMG). Die Rede war von finanziellen Unregelmäßigkeiten, nicht nachvollziehbaren Entscheidungen, Vetternwirtschaft und einem autoritären Führungsstil.

Am vergangenen Freitag war der kaufmännische Vorstand der DSO, Dr. Thomas Beck, zurückgetreten. Er hatte den Schritt mit „anhaltenden Attacken auf seine Person“ trotz eines aus Sicht der DSO „entlastenden Gutachtens“ begründet. Er wolle so Schaden für das Thema Organspende vermeiden.

Die Deutsche Hospizstiftung sieht jedoch weiterhin Reformbedarf: Der Problemkern –  die mangelnde Transparenz – sei mit dem Rücktritt Becks nicht gelöst, sagt Brysch.

Die DSO wehrt sich gegen die Vorwürfe: In Deutschland sehe das Transplantationsgesetz eine strikte Trennung zwischen der Koordinierung der Organspende und der Organverteilung vor, so eine Stiftungssprecherin. „Die DSO hat mit der Verteilung der Organe nichts zu tun.“ Darum kümmere sich allein die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant im niederländischen Leiden; die Organe würden nach medizinischen Kriterien vergeben.

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