Impfstoffe: Kassen nehmen Ärzte in Regress

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Berlin -

Tausende Hausarztpraxen in Nordrhein-Westfalen sind mit Regressforderungen von Krankenkassen konfrontiert, weil ihnen wohl Formfehler bei der Impfstoffbestellung unterlaufen sind. Das bestätigte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) am Samstag.

Dabei gehe es unter anderem um den HPV-Impfstoff Gardasil (MSD) sowie den Gürtelrose-Impfstoff Shingrix (GSK). In 4500 Fällen allein im Bereich Nordrhein bemängelten Krankenkassen, dass Ärzte den Impfstoff in Einzeldosen auf Einzelrezept für ihre Patienten bestellt hätten – anstatt die 10er-Packung für den Praxisbedarf.

Zwar informiere man die Mitglieder regelmäßig über die Notwendigkeit der Verordnung als Sprechstundenbedarf, so KV-Vize Dr. Carsten König gegenüber der „Ärzte Zeitung“. Solche Fehler passierten aber immer wieder. Es gebe auch kleinere Praxen, die keine 10er-Packungen bestellen wollten, da ihnen kleine Mengen für die jeweiligen Patienten reichten. „Die Kolleginnen und Kollegen wissen, dass sie nicht so viel Impfstoff benötigen, und wollen keinen wegwerfen.“

„Während die Republik ‚Impfen, Impfen, Impfen‘ fordert, haben die Krankenkassen nichts Besseres zu tun, als 4500 von 5000 Hausärzten mit Regressen wegen Formfehlern zu überdecken“, kritisierte Oliver Funken, Vorsitzender des Hausärzteverbands Nordrhein, in der WAZ. Die Praxen müssten nun anhand der Rezeptkopien in jedem Einzelfall prüfen, weshalb sie die etwas teureren Einzeldosen bestellt hätten. Könnten sie das nicht begründen, fordern die Krankenkassen von den Ärzten, die Mehrkosten zu übernehmen. Der Hausärzteverband rät den Ärzten, Widerspruch einzulegen.

Hinzu kommt, dass es bei Shingrix seit einiger Zeit erhebliche Lieferengpässe gibt: Der Hersteller konnte vorübergehend die benötigten Mengen des Subunit-Totimpfstoffs nicht zur Verfügung stellen. Bereits im vergangenen Sommer hatte GSK angekündigt, eine begrenzte Menge auszuliefern, nachdem auf das für Juli angekündigte Kontingent der 10er-Packung vergeblich gewartet wurde. Im August hatte GSK versprochen, für die kommenden Monate zusätzlich größere Mengen eingeplant zu haben. Doch immer wieder fehlte die Vakzine in den Apotheken, sodass die Praxen teilweise auf die Einzelpackung ausweichen mussten. Den zweiten Impfstoff gegen Herpes Zoster, den Lebendimpfstoff Zostavax (MSD), gibt es ohnehin nur als Einzelpackung.

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