Baden-Württemberg

Grünen-Politiker besucht Brücken-Apotheke

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Berlin -

Selbst in der Schlussphase des spannenden Landtagswahlkampfes in Baden-Württemberg war es für Apothekerin Ursula Barthlen gar nicht so leicht, politischen Besuch für ihre Brücken-Apotheke zu gewinnen. Alle Landtagskandidaten hat die Repräsentantin der Aktion „Gesundheit Wählen“ angefragt. Nur Thomas Poreski, Reutlinger Landtagskandidat der Grünen, hatte Zeit für eine Stippvisite in der Dußlinger Apotheke. Die SPD ließ sich entschuldigen, die CDU hat noch nicht einmal auf die Einladung reagiert.  

Zu Wochenbeginn besuchte Poreski eine Stunde lang die Brücken-Apotheke. Immerhin kann er auf persönliche Erfahrung zurückgreifen: Seine Mutter ist gelernte Apothekenhelferin. Da kennt man sich auch als Sohn schon etwas im Apothekenalltag aus.

Stefan Möbius von der Landesapothekerkammer schilderte dem Grünen-Politiker die Lage der Apotheken: Seit 2008 ist die Zahl der Apotheken im „Ländle“ um 200 gesunken. Die flächendeckende Versorgung sei zwar nicht gefährdet, so Möbius, aber trotzdem ein landespolitisch wichtiges Thema.

Apothekerin Monika Georgi wies Poreski auf die Probleme einer Landapotheke hin. Rezeptur, Versandhandel und der Retax-Ärger mit den Krankenkassen waren die Themen. Beim Thema Versandhandel zeigte Poreski abweichend von der Programmatik der Grünen Verständnis für die Sorgen der Apotheker und stärkte der Vor-Ort-Apotheke den Rücken. Im Internet könnten sich Patienten zwar Informationen holen, aber keine Beratung erhalten, so Georgi. Dieser Sichtweise schloss sich Poreski an.

Da sich die Brücken-Apotheke auch am Projekt „Athina“ (Arzneimittel-Therapiesicherheit in Apotheken), berichtete Georgi dem Grünen Landtagskandidaten über die die Probleme im Umgang mit dem Medikationsmanagement.

Ausführlich unterrichtete Georgi Poreski über die Fertigung von rund 100 individuelle Rezepturen monatlich in der Brücken-Apotheke. Gewinnbringend sei das nicht, so die angestellte Apothekerin. Für Augentropfen benötige ihre PTA knappe drei Stunden im Labor. Sie prüfe das Rezept des Kunden, halte Rücksprache mit dem Arzt, wiege mit Mundschutz, Handschuhen und Schutzbrille die Stoffe ab, filtriere die Lösung steril in ein Fläschchen.

Dafür könne die Apotheke dann nur einen Arbeitspreis von sieben Euro ansetzen. Für eine Salbe seien es fünf Euro. „Das ist definitiv ein Minusgeschäft“, sagte Georgi: „Wir machen viel unlukrative Arbeit, für die hoher pharmazeutischer Sachverstand gefragt ist.“ Bei selbst für die Krankenkassen hergestellten Rezepturen treibt es ihr „die Tränen in die Augen“.

Poreski zeigte Verständnis und forderte den Landesapothekerverband auf, sich intensiver für die Anliegen der Apotheker vor Ort einzusetzen.

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