Arzneimittelpreise

Lauterbach kündigt AMNOG III an

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Berlin -

Eine nach wie vor überzogene Preispolitik der Pharmaindustrie belastet die Patienten mit überhöhten Preisen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Arzneiverordnungs-Report (AVR). Der SPD-Gesundheitsexperte Professor Dr. Karl Lauterbach kündigte daher für die laufende Legislaturperiode ein neues Spargesetz an.

Bei patentgeschützten Arzneimitteln könnten zwei Milliarden Euro gespart werden, sagte Professor Dr. Ulrich Schwabe. Bei Analogpräparaten seien es 2,4 Milliarden Euro, bei Biosimilars 57 Millionen Euro und bei umstrittenen Arzneimitteln 510 Millionen Euro. Insgesamt kommen knapp fünf Milliarden Euro zusammen.

2013 haben die Krankenkasse laut Schwabe insgesamt 32,1 Milliarden Euro für Medikamente gezahlt, sagte Schwabe. Das seien 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr gewesen – ein erneuter Höchststand.

Die Einsparpotenziale des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG) seien bislang nur in einem Punkt erreicht worden: „Bei den 25 umsatzstärksten Arzneimitteln, die in den ersten drei Jahren bewertet wurden, sind die ausgehandelten Erstattungspreise durchschnittlich um 23 Prozent gesenkt worden“, sagte Schwabe.

Damit sind neu eingeführte Arzneimittel in Deutschland laut Schwabe nicht mehr teurer als die in anderen europäischen Ländern. Die Einsparungen durch Erstattungsbeträge hätten 2013 jedoch nur 150 Millionen Euro ergeben. Für dieses Jahr würden 298 Millionen Euro erwartet, sagte Schwabe: „Das ist meilenweit entfernt von den angestrebten 2 Milliarden Euro des AMNOG.“

Lauterbach zufolge kann das AMNOG als „ständiges Reformprojekt“ nur zwei bis drei Jahre halten. Angesichts des dynamischen Arzneimittelmarkts müsse es bald angepasst werden, so Lauterbach. Das werde die Große Koalition für den Bereich der Biopharmazeutika in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode angehen.

Viele Biopharmazeutika seien in der Onkologie, der antiviralen Therapie und bei Autoimmunerkrankungen erfolgsversprechend und zudem in der Herstellung nicht so teuer, wie der Laie sich das vorstelle, sagte Lauterbach. Gleichzeitig seien die Wirkstoffe aber auch schwerer zu prüfen und hätten eine kürzere Laufzeit.

Laut AOK-Vorstand Uwe Deh hat sich das Verhältnis zwischen pharmazeutischer Industrie und Krankenkassen in den vergangenen Jahre etwas gewandelt: Man sei „ein Stückchen aus der Kampfzone“ herausgekommen.

Die Kassen hätten jedoch derzeit keine Strategie, um mit deutlich überhöhten Preisen von Herstellern umzugehen, sagte Deh. Das Beispiel Sovaldi mit einem „abenteuerlich hohen Preis“ sei mittlerweile bekannt.

Das sei erst der Anfang, so Deh. Zur Behandlung von Hepatitis C seien bereits Olysio und Daklinza auf den Markt gekommen. „Die eigentliche Kostenlawine kommt noch“, sagte der AOK-Vorstand. Er appellierte daher an die Politik, die Lücke im AMNOG zu schließen.

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