Arzneimittelmarkt

April: Boom bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln

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Berlin -

Seit längerer Zeit steigt in den Apotheken nach Beobachtung der Marktforscher von IMS Health die Nachfrage nach rezeptfreien Schlaf- und Beruhigungsmittel. Im April gab es jetzt sogar einen boomartigen Anstieg. Dafür gibt es keine Erklärung. Die im Frühjahr leicht eingetrübte wirtschaftliche Stimmung in Deutschland reicht dafür nicht aus.

Eine bessere Erklärung ergibt sich laut IMS Health über eine Langzeitbetrachtung. In den vergangenen vier Jahren zeigte sich ein stetiger Absatzanstieg bei verschreibungsfreien Beruhigungs- und Schlafmitteln. „Dass wir im April jetzt ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat sehen, lässt sich mit saisonalen Schwankungen erklären. Monatswerte sind ja deutlich volatiler als größere Zeiträume“, so eine IMS-Sprecherin. Über mehrere Monate der vergangenen vier Jahre zusammen betrachtet, würden im Frühling immer mehr Beruhigungs- und Schlafmittel nachgefragt als im Sommer, aber wiederum weniger als im Winter.

Insgesamt wuchs der Apothekenmarkt – Arzneimittel, Impfstoffe und Testdiagnostika – im April nach Menge und Wert um jeweils 6 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro auf Basis der Herstellerabgabepreise (ApU)* beziehungsweise 137 Millionen Packungen. In diesem Jahr hatte der Monat einen Arbeitstag mehr als im Vorjahr.

Insgesamt gingen 60 Millionen Packungen an Rx-Medikamenten im Wert von 2,4 Milliarden Euro an Patienten (plus 5 Prozent, plus 6 Prozent). Die Menge abgegebener Präparate legte dabei in fast allen führenden Präparategruppen im mittleren bis höheren einstelligen Bereich zu. Den größten Mengenzuwachs erreichten Schmerzmittel, Schilddrüsenpräparate und Lipidregulatoren (je plus 8 Prozent).

Die Nachfrage nach OTC-Arzneimitteln stiegt laut IMS im April zum ersten Mal in diesem Jahr deutlich an. Der Umsatz legte um 8 Prozent auf 420 Millionen Euro zu, die Menge um 6 Prozent auf 71 Millionen Packungen. Neben Beruhigungs- und Schlafmitteln wurden Produkte gegen trockene Augen (plus 13 Prozent) und Desinfektionsmittel (plus 10 Prozent) stärker nachgefragt. Es gab aber auch einen späten, aber deutlichen saisonalen Effekt: Erkältungsmittel wurden erst im April deutlich häufiger nachgefragt als im Vorjahresmonat.

Im gesamten ersten Jahresdrittel legte der Umsatz im Apothekenmarkt nur um 2 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro zu. Die führenden zehn Arzneimittelgruppen verbuchten überwiegend Steigerungen, allerdings in unterschiedlichen Maße. Zweistellig wuchsen Faktor-Xa-Hemmer (plus 35 Prozent), Proteinkinasehemmer (plus 21 Prozent) und Antineoplastika (plus 17 Prozent). Rückgänge verbuchen insbesondere antivirale Mittel (ohne HIV) mit minus 42 Prozent. Dies erklärt sich wesentlich durch das Auslaufen der „Hepatitis-C-Welle“.

Bei den absatzstärksten Präparategruppen überwogen von Januar bis April Mengenrückgänge. Diese Entwicklung ergab sich durch die außergewöhnlich starke Erkältungssaison Anfang 2015, die sich zu Beginn dieses Jahres nicht wiederholte.

In den ersten vier Monaten erhöhten sich Wert und Menge rezeptfreier Arznei- und Gesundheitsmittel über den Apothekenversandhandel erneut zweistellig (plus 14 Prozent, plus 12 Prozent) auf zusammen 531 Millionen Euro. Stärker als nach Arzneimitteln legte die Nachfrage nach Gesundheitsmitteln, Kosmetik, Körperpflege und Medizinprodukten zu. Nur Produkte aus dem Bereich Ernährung (Schlankheitsmittel, Traubenzucker) zeigten kaum einen Wertzuwachs.

Die absatzstärksten zehn Gruppen der Arznei- und Gesundheitsmittel über den Versandhandel wuchsen im mittleren bis niedrig zweistelligen Bereich. Die größte Steigerung erfuhren Augenpräparate und die Gruppe Verschiedenes, überwiegend Homöopathika (je plus 17 Prozent), gefolgt von Vitaminen, Mineralstoffen, Nahrungsergänzungsmitteln (plus 15 Prozent). Husten- und Erkältungspräparate zusammen mit Schmerzmitteln, Muskel- und Gelenktherapeutika erreichten mit plus 7 und 6 Prozent die niedrigsten Wachstumsraten innerhalb der Top 10.



* ApU: Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers abzüglich Herstellerabschlag in Höhe 7 Prozent und der gemeldeten Rabatte aus Erstattungsbeträgen. Ersparnisse aus Rabattverträge sind nicht berücksichtigt.

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