Apothekenpremiere für Schulz-Asche | APOTHEKE ADHOC
Politikerbesuch

Apothekenpremiere für Schulz-Asche

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Berlin -

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche hat zum ersten Mal einen Blick hinter die Kulissen einer Apotheke geworfen: Gestern besuchte sie die Frankfurter Arnsburg-Apotheke von Holger Seyfarth, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Hessischen Apothekerverbands (HAV). Er berichtet, dass Schulz-Asche, die auch Mitglied im Gesundheitsausschuss ist, besonders von dem Aufwand beeindruckt gewesen sei, den Apotheken betreiben müssen.

Nachdem im Januar der neue HAV-Vorstand gewählt worden sei, habe man sich den Politikern vorgestellt, berichtet Seyfarth. Dabei kamen die Apotheker auch mit Schulz-Asche ins Gespräch, deren Wahlkreis der Main-Taunus-Kreis ist. Bei einem dieser Gespräche lud Seyfarth die Abgeordnete in seine Apotheke ein. Die Terminfindung sei zwar etwas schwierig gewesen, aber letztendlich sei Schulz-Asche mehr als drei Stunden vor Ort gewesen, so der Apotheker.

In der Arnsburg-Apotheke konnte Schulz-Asche den kompletten Warenfluss nachvollziehen, von der Bestellung über den Wareneingang bis zur Abgabe an die Patienten. Seyfarth erklärte, warum das Warenlager inzwischen so groß ist – die Rabattverträge und die Vorgabe, Ware für sieben Tage vorrätig zu halten – und zeigte der Politikerin, was bei der Abgabe alles zu berücksichtigen ist.

„Die Apotheken berücksichtigen bei der Abgabe von Arzneimitteln mittlerweile über 18.000 Rabattverträge“, so Seyfarth. Zudem erklärten die Mitarbeiter ihren Patienten, warum sie nicht mehr ihre gewohnten Arzneimittel erhielten. „Für diesen Mehraufwand erhalten die Apotheken jedoch keinerlei Vergütung“, kritisiert er. Die Krankenkassen hingegen sparten im vergangenen Jahr allein durch diese Mehrarbeit mehr als drei Milliarden Euro.

Auch in das Labor konnte Schulz-Asche einen Blick werfen. In der Arnsburg-Apotheke werden Seyfarth zufolge im Jahr rund 2500 Rezepturen pro Jahr angefertigt. „Damit schaffen wir fast die schwarze Null“, sagt Seyfarth. Viele andere Apotheken könnten von solch einer Laborauslastung aber nur träumen. Für sie sei das Labor ein reines Zuschussgeschäft.

Die Vergütung der Apotheken war in diesem Zusammenhang natürlich auch ein Thema. „Große Apotheken können noch alles – mit Betonung auf dem 'noch'“, so Seyfarth. Kleinere Apotheken könnten hingegen vieles schon nicht mehr leisten, erklärt er mit Blick auf die Hochpreiser-Finanzierung.

Auch die Prozess am HV-Tisch zeigte Seyfarth Schulz-Asche und machte dabei deutlich, dass inzwischen mindestens zwei Drittel der Zeit für „Kassenbelange“ benötigt würden: die Prüfung des Arztstempels, des Ausstellungsdatums, der IK-Nummer, der Befreiung, der Rabattverträge und so weiter. Das sieht Seyfarth kritisch: Denn für die eigentliche pharmazeutische Tätigkeit, für die der Staat Apotheker für viele Hunderttausend Euro ausbilde, bliebe nur ein Drittel der Zeit, manchmal sogar nur ein Viertel oder weniger.

Schulz-Asche war mit dem Apothekenbesuch zufrieden: „Es ist gut, Probleme, die man als Politikerin auf der Gesetzesebene diskutiert, in der Praxis ganz plastisch und mit neuen Aspekten kennen zu lernen.“ Mit Blick auf die umfangreichen Dokumentationspflichten frage sie sich, wie die Apotheken den Aufwand nutzen könnten, um nicht nur eine Struktur zu bedienen, sondern auch ihr Erfahrungswissen zu steigern.

Die PTA waren bei dem Apothekentermin auch ein Thema. In Hessen hatten die Schulen bis 2013 je 125 Euro pro Monat und Schüler aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) erhalten. Als die Förderung ausblieb, sprang das Land nicht ein und die Schulen standen vor Problemen. Seyfarth wies darauf hin, dass die Anzahl der PTA-Schüler seitdem dramatisch abnehme. Schulz-Asche erklärte: „Für das Gewinnen von Nachwuchs im Bereich PTA ist die Schaffung eines breiten Ausbildungsspektrums essenziell.“

In Sachen Medikationsplan unterstützt Schulz-Asche die Forderung der Apotheker, auch selbst den Plan ausstellen zu dürfen. Seyfarth selbst sieht dieses Thema entspannt und setzt auf Verknappung und darauf, sich nicht aufzudrängen. Er ist überzeugt, dass früh genug auffallen wird, dass die Apotheker doch gebraucht werden.

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