Medikamente sollen künftig nur noch einen digitalen Beipackzettel enthalten. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte an, die Vorgabe aus dem EU-Pharmapaket in deutsches Recht umzusetzen. „Ich werde in Kürze ein Gesetzespaket mit vielen kleineren, aber wirkungsvollen Maßnahmen vorlegen, um unnötige Bürokratie abzubauen. Davon gibt es im Gesundheitswesen wirklich genug“, sagte sie dem Nachrichtenportal Politico.
Die Abschaffung des Beipackzettels aus Papier sei Teil des EU-Pharmapakets, das man in deutsches Recht umsetze. „Das wird aber noch etwas dauern: Zwei Jahre nach In-Kraft-Treten des Pharmapakets müssen die Unternehmen für alle Arzneimittel eine digitale Packungsbeilage bereitstellen“, kündigte Warken an.
Das neue Modell biete viele Vorteile, etwa automatische Übersetzungen oder Vorlesefunktionen. „Weiterhin hat jeder Patient ein Recht darauf, von der Apotheke einen ausgedruckten Beipackzettel zu erhalten. Wir müssen die Menschen mitdenken, die aus verschiedenen Gründen lieber weiterhin den Papierzettel wünschen.“
Die Hersteller fordern seit Längerem eine Umstellung auf digitale Packungsbeilagen. Patientinnen und Patienten sollen nur noch einen QR-Code vorfinden, den es zu scannen gilt. Eine Papierfassung soll bei Bedarf laut des EU-Entwurfs dennoch kostenlos zur Verfügung gestellt werden können.
Die Vorteile der elektronischen Informationen: Nutzerinnen und Nutzer können die Schriftgröße anpassen oder sich den Text vorlesen lassen. Eine Suchfunktion soll die Navigation innerhalb des digitalen Beipackzettels erleichtern. Weiterer Pluspunkt: Der digitale Zettel könne fortlaufend aktualisiert werden, so dass sofort neue Neben- oder Wechselwirkungen gezeigt werden, erklärte der Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa).
„Reisende können elektronische Gebrauchsinformationen ausländischer Medikamente ins Deutsche übersetzen lassen. Die Informationen lassen sich mit Krankenkassen-Apps oder dem digitalen Medikationsplan verknüpfen“, erklärt der vfa weiter.
Auch der Umwelt komme das zugute. „Die Papierindustrie produziert in Deutschland jährlich rund 9000 Tonnen Papier für Beipackzettel“, so der vfa. „Die Digitalisierung spart diese Menge ein. Patienten können die elektronischen Informationen offline speichern und haben sie so jederzeit verfügbar.“
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