Medikationsmanagement

ABDA hält an Sorgenkind Armin fest

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Berlin -

Die ABDA hält trotz Problemen an ihrem Modellprojekt zum Medikationsmanagement fest. Armin soll bis 2022 verlängert werden.

Das Modellprojekt der ABDA hat zuletzt eher für negative Schlagzeilen gesorgt. Im vergangenen Jahr startete das Medikationsmanagement – das Herzstück des Projekts – mit technischen Schwierigkeiten. Vielerorts war die Praxissoftware noch nicht fit gemacht und auch die Internetleitungen waren nicht überall schnell genug. Die Folge: Nur wenige Ärzte, Apotheker und Patienten konnten das Herzstück von Armin überhaupt nutzen.

Trotzdem hält die ABDA an dem Modellprojekt in Sachsen und Thüringen fest, hat jetzt sogar angekündigt, die Laufzeit bis 2022 zu verlängern. In den letzten Monaten habe es positive Entwicklungen gegeben, die die bisherigen großen Anstrengungen rechtfertigten. „Die Rückmeldungen von Ärzten und Apothekern mit teilweise mehr als 100 gemeinsam betreuten Versicherten sind fast durchgehend positiv“, sagt Dr. Ulf Maywald, Projektverantwortlicher auf Seiten des Projektpartners AOK Plus. Gelobt werde vor allem die klare fachliche Aufgabenzuordnung im Medikationsmanagement.

Über 2500 Versicherte profitieren laut ABDA bereits vom Medikationsmanagement und dem elektronischen Datenaustausch zwischen Arzt und Apotheker. Bei der AOK Plus, die als einzige Kasse bislang an dem Modellprojekt beteiligt ist, waren Anfang des Jahres rund 300.000 Menschen versichert, die fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig einnehmen. Ziel ist eine „deutlich fünfstellige Zahl von eingeschriebenen und betreuten Versicherten“, hieß es damals von der Kasse.

Mit Blick auf die teilweise schleppende Anbindung an den Medikationsplanserver sagt Maywald „Gemeinsam mit den Softwareherstellern nehmen wir in den Praxen noch auftretende Softwareprobleme auf und lösen sie Schritt für Schritt.“ So hofft man, Ärzte und Apotheker, die noch am Medikationsmanagement teilnehmen wollen, bald an den Server anzubinden und weitere Heilberufler für das Modellvorhaben zu gewinnen. Derzeit nehmen an Armin 555 Ärzte (244 in Sachsen und 311 in Thüringen) und 975 Apotheker (510 Sachsen und 465 Thüringen) teil.

Bei Apothekern ist Armin nicht sonderlich populär. Gefragt, was sie sich von der neuen Bundesregierung als erste Maßnahme im Apothekenwesen wünschen, antworteten nur 0,7 Prozent, dass der bundesweite Roll-Out von Armin ganz oben auf der Tagesordnung stehen sollte. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Apotheker das Projekt gar nicht wollen.

Damit zukünftig noch mehr Apotheker an dem Projekt teilnehmen, fordert Thomas Dittrich, Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbandes, dass das gemeinsame Medikationsmanagement als heilberufliche Leistung Teil des Kollektivvertrags wird. Hierführ müsse der Gesetzgeber entsprechende Voraussetzungen schaffen. Die Ärzte fordern praktikable Softwarelösungen. „Bei Armin hat es schlicht zu lange gedauert, bis solche Produkte zur Verfügung standen“, kritisiert Sven Auerswald, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen.

Nach zweijährigen Vorarbeiten, Verzögerungen und Schwierigkeiten war die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen, so der volle Name von Armin, im Juli 2016 mit dem Medikationsmanagement gestartet. Das Medikationsmanagement richtet sich an Patienten der AOK Plus, die fünf und mehr Medikamente nehmen. Als Anlaufhilfe hat die Kasse bislang mindestens drei Millionen Euro in das Modellprojekt gesteckt und erhofft sich davon Einsparungen bei den Arzneimittelausgaben und Krankheitsfolgekosten.

Für die Aufnahme der Medikation erhalten Apotheker und Arzt im ersten Quartal 97,30 Euro und in jedem Folgequartal 22 Euro für die weitere Betreuung. Herzstück von Armin ist ein elektronisch gestützter Medikationsplan. Dieser basiert auf dem IT-Netzwerk der Kassenärzte. Über einen Armin-Server können die Medikationsdaten zwischen Ärzten und Apothekern ausgetauscht werden. Die AOK Plus speist in dieses System die ihr vorliegenden Arzneimitteldaten der letzten sechs Monate der teilnehmende Patienten ein. Arzt und Apotheker prüfen dabei gemeinsam die Medikation auf Wechselwirkungen und Unverträglichkeiten. Der Arzt kann daraufhin die Medikation anpassen. Seit 2017 können sich auch andere Krankenkassen in das Projekt einkaufen.

Insgesamt besteht das Modellprojekt aus drei Stufen: der Wirkstoffverordnung, dem Medikationskatalog und dem Medikationsmanagement. In der Testphase wurde das neue Medikationsmanagement mit zwei Patienten geübt. 2014 waren zunächst die Wirkstoffverordnung und der Medikationskatalog an den Start gegangen. Der Start des Medikationsmanagements war ursprünglich für 2015 geplant, verzögerte sich jedoch aufgrund technischer Probleme.

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