In Hagen bleiben am kommenden Montag alle Apotheken geschlossen. Bis auf die notdiensthabende Victoria-Apotheke beteiligen sich die Inhaberinnen und Inhaber gemeinsam am bundesweiten Protest. „Wir erwarten damit, wie auch beim Protest vor zwei Jahren, keine negativen Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung der Hagener Bevölkerung“, so Dr. Christian Fehske, Inhaber der Rathaus-Apotheke.
In Hagen gibt es insgesamt noch 27 Apotheken, 2003 waren es noch 58. Am 23. März bleiben sie alle geschlossen, um sich am Protest zu beteiligen. „Wir wollen damit unserer Forderung nach einer Umsetzung der im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbarten Apothekenreform Nachdruck verleihen und eine bessere Vergütung erreichen“, erklärt Fehske. „Unsere zentrale Forderung ist, dass das Packungsfixum angehoben wird“, stellt er klar. „In allen anderen Bereichen des Gesundheitswesens gibt es regelmäßige Vergütungsanpassungen, nur bei den Apotheken greift der Staat ein. Wir wollen eine Gleichbehandlung, deshalb streiken wir“, so Fehske.
Damit dringende Fälle am Montag dennoch versorgt werden können, wird die Victoria-Apotheke in Wehringhausen den Notdienst übernehmen. „Wir erwarten damit, wie auch beim Protest vor zwei Jahren, keine negativen Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung der Hagener Bevölkerung“, so Fehske. Im Grunde laufe es dann ebenso wie zu Weihnachten oder anderen Feiertagen.
Die Mitarbeitenden der 27 Apotheken werden auch an der Kundgebung in Düsseldorf teilnehmen. „Es ist wichtig, so viel wie möglich Präsenz zu zeigen“, so Fehske.
Viele Inhaber:innen seien durch Äußerungen von Krankenkassenvertretern zur Apothekenreform mindestens irritiert, so Fehske: „In engem zeitlichen Abstand erhebliche Vergütungserhöhungen für eigene Vorstände zu beschließen und Verständnis für ebenfalls erhebliche Lohnforderungen eigener Mitarbeitender zu zeigen, fast gleichzeitig jedoch im Koalitionsvertrag bereits beschlossene Anpassungen bei Leistungserbringern mit Verweis auf leere Kassen abzulehnen, wirkt zumindest auf mich nicht konsistent“, stellt er klar.
„Wir wollen unseren Angestellten endlich die längst überfälligen Lohnanpassungen ermöglichen und die Lohnschere zu Krankenkassenbeschäftigten nicht noch größer werden lassen. Auch deshalb ist die Verhandlungslösung so wichtig“, betont Fehske. „Apothekenstreiks sind in Deutschland etwas exotisch Seltenes. Ich hoffe, dass ich mich in meinem Berufsleben an so einer extremen Maßnahme nie wieder beteiligen muss.“
Jetzt müsse man am 23. März gemeinsam laut herausschreien, dass die Gesundheitsministerin Nina Warken die in der Reform beschlossenen Anpassungen auch wirklich endlich umsetzen müsse. „Dieser anstehende Protest unterscheidet sich zum damaligen im Jahr 2023 derart, dass wir aktuell für etwas protestieren, nicht mehr gegen etwas“, so Fehske. Konkret: „Die Weichen sind bereits in die richtige Richtung gestellt, im Bundesgesundheitsministerium hat sich etwas gedreht. Jetzt heißt es, dass Warken für uns und die Apotheken vor Ort durchziehen muss.“