Semaglutid und Cagrilintid

Novo Nordisk: Rückschlag für neues Abnehmmittel

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Berlin -

Einen erneuten Rückschlag bei der Erprobung seines neuen Abnehmmittels hat Novo Nordisk erlitten. Heute wurden die Studiendaten aus Redefine 4 bekannt, einer offenen Phase-III-Studie aus dem globalen klinischen Studienprogramm Redefine, zum Kombinationsmittel Cagrisema (Cagrilintid/Semaglutid)veröffentlicht.

Cagrisema ist eine in der Entwicklung befindliche Kombination aus den Mitteln Semaglutid und Cagrilintid. Hierbei handelt es sich um eine Fixdosiskombination aus 2,4 mg Cagrilintid und 2,4 mg Semaglutid, die einmal wöchentlich subkutan verabreicht wurde.

Primärer Studienendpunkt verfehlt

Das Mittel habe zwar eine 23-prozentige Gewichtsreduktion nach einer 84-wöchigen Behandlung gezeigt, teilte der dänische Pharmakonzern heute mit. Allerdings sei der primäre Studienendpunkt verfehlt worden, der eine Nicht-Unterlegenheit des Mittels im Vergleich zu Zepbound/Mounjaro vom US-Unternehmen Lilly zeigen sollte.

Novo Nordisk war bis vor eineinhalb Jahren ein Börsenstar wegen der Erfolge, die der einst vor allem für die Insulinherstellung bekannte Konzern mit Abnehmmitteln verbuchte. Die Rally endete 2024, wo Novo Nordisk zeitweise wertvollstes europäisches Unternehmen an der Börse war. Auch die Aktien des Verpackungsherstellers Gerresheimer, der als Lieferant für Spritzen von Abnehmmitteln bekannt ist, litten heute unter der Nachricht. Lilly-Aktien legten hingegen zu.

Umkämpftes Abnehmspritzen-Geschäft

Novo Nordisk war ursprünglich als erster Hersteller mit seinen Gewichtssenkern am Markt und dominierte das Geschäft. Doch dann geriet der Konzern im Ringen mit Lillys Konkurrenzmitteln ins Hintertreffen, die als effektiver gelten. Zwar gab es im vergangenen Jahr vermehrt für beide Konzerne Schwierigkeiten, weil in den USA Apotheken und andere Hersteller unter Ausnutzung regulatorischer Schlupflöcher billigere Kopien der Abnehmmedikamente auf den Markt brachten (Compounding Semaglutide). Allerdings hatte sich Lilly aktiver gegen die Konkurrenz durch Nachahmer gewehrt.

Im November einigte sich Novo Nordisk mit der US-Regierung auf deutliche Preissenkungen für seine Blockbuster wie Wegovy und Ozempic, die unter anderem im Rahmen staatlicher Gesundheitsprogramme gelten sollen. Auch Lilly unterzeichnete eine entsprechende Vereinbarung.

Lilly-Chef David Ricks erwartet aber sogar, dass der Markt für Medikamente gegen krankhaftes Übergewicht (Adipositas) in diesem Jahr dank der Einigung mit der US-Regierung noch weiter wachsen wird. Diese hatte zugestimmt, die Kosten für die Mittel für mehr Patienten im Rahmen des staatlichen Gesundheitsprogramms Medicare für ältere Menschen zu übernehmen. Die Amerikaner sind zudem in einer vergleichsweise stärkeren Position als Novo Nordsik, da ihre Blockbuster Zepbound und Mounjaro noch ein weiteres Jahrzehnt lang patentgeschützt sind.

Cagrisema wird weiter getestet

Novo Nordisks Forschungschef Martin Holst Lange setzt nun auf Daten aus weiteren Studien zur Gabe von Cagrisema, die teils erst im ersten Halbjahr 2027 vorliegen dürften. Außerdem wollen die Dänen Cagrisema in höheren Dosierungen testen – entsprechende Studien sollen im zweiten Halbjahr starten. Spät in diesem Jahr hofft das Unternehmen zudem auf eine US-Zulassung von Cagrisema in anderen Anwendungen durch die US-Gesundheitsbehörde FDA.

Cagrisema habe ein sicheres und gut verträgliches Profil gezeigt, so der Hersteller. Die häufigsten Nebenwirkungen traten im Magen-Darm-Trakt auf und waren zumeist leicht bis mittelschwer und ließen mit der Zeit nach, was für die Klasse der GLP-1-Rezeptoragonisten typisch sei. Mit der Studie sei man „sehr zufrieden“, so der Forschungschef.

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