Novavax: Positive Daten, aber kein Impfstoff

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Berlin - Der nächste Impfstoff in der Pipeline: Ein Kandidat des US-Herstellers Novavax bietet nach Unternehmensangaben einen hohen Schutz vor Covid-19. Dennoch gibt es Probleme: Denn die Lieferung könnte nach einer Zulassung auf sich warten lassen.

Die Wirksamkeit des Impfstoffs NVX-CoV2373, der zweimal gespritzt werden muss, liege nach den Ergebnissen einer Phase-III Studie bei 90,4 Prozent, teilte Novavax am Montag mit. Das bedeutet, dass bei den Probanden der geimpften Gruppe rund 90 Prozent weniger Erkrankungen auftraten als bei den Teilnehmern der Kontrollgruppe. Der Schutz vor mittelschweren und schweren Erkrankungsverläufen lag demnach sogar bei 100 Prozent. Generell sei die Impfung gut vertragen worden, hieß es weiter. Teilnehmer berichteten demnach über zeitweilige Schmerzen an der Einstichstelle sowie Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. An der Studie hatten 29.960 Menschen ab 18 Jahren in den USA und Mexiko teilgenommen.

NVX-CoV2373 ist im Gegensatz zu den bisher zugelassenen Impfstoffen weder ein mRNA-Impfstoff – wie die Präparate von Biontech und Moderna – noch ein Vektor-Impfstoff wie der von AstraZeneca und Janssen: Das Vakzin enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen. „Das sind sehr ermutige Ergebnisse und ich glaube, der Impfstoff kann wegen seines eher traditionellen Verfahrens helfen, Skeptiker zu überzeugen und im Herbst eine hohe Durchimpfungsrate in der Europäischen Union sicherzustellen“, meint der Europaabgeordnete Dr. Peter Liese.

Die Entwicklung des Impfstoffs war von der US-Regierung finanziell stark gefördert worden. Im dritten Quartal des Jahres wolle man eine Zulassung beantragen, hieß es von Novavax. In der EU läuft seit Februar ein beschleunigtes Prüfverfahren. Dieser sogenannte Rolling-Review-Prozess wird so lange fortgesetzt, bis ausreichend Daten für einen formellen Zulassungsantrag vorhanden sind. Bis Ende 2021 könnten rund 150 Millionen Dosen des Impfstoffes hergestellt werden, teilte Novavax mit. Da die USA allerdings bereits ausreichend Impfstoff zur Verfügung haben, wird erwartet, dass das Novavax-Präparat vorrangig anderswo eingesetzt werden wird.

Doch bereits jetzt kommen erste Zweifel an der Lieferfähigkeit auf: „Leider war Novavax entgegen ursprünglicher Pläne in den letzten Monaten nicht in der Lage, seine Produktion weltweit so aufzustellen, dass mit der Lieferung der Impfstoffe kurzfristig gerechnet werden kann“, erklärt Liese. „Offensichtlich ist es ihnen nicht gelungen, in den Werken die Qualität und die Eigenschaften des Impfstoffs zu reproduzieren, den sie in den klinischen Studien genutzt haben.“

Er rechnet deshalb nicht damit, dass Novavax kurzfristig für die Impfkampagne zur Verfügung steht. Bereits im Dezember hatte die EU-Kommission einen Vorvertrag über 200 Millionen Impfdosen abgeschlossen. Die endgültige Vertragsunterzeichnung scheiterte jedoch daran, dass Novavax in keinster Weise zusagen konnte, wann wie viel Impfstoff geliefert werden kann. „Einen weiteren Hersteller, der nicht zuverlässig liefert, brauchen wir wohl eher nicht. Ich hoffe, dass dieses Problem in den nächsten Wochen beseitigt wird und wir dann im Herbst Impfstoff bekommen“, so der Arzt und Europaabgeordnete.

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