Bessere Versorgung gefordert

„Menschen mit Adipositas sind in Deutschland unterversorgt“

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Berlin -

Etwa 17 Millionen Menschen in Deutschland sind stark übergewichtig – und während der Corona-Pandemie sind es nach ersten Erkenntnissen noch mehr geworden. Die Betroffenen erfahren häufig zu spät und nicht ausreichend Hilfe, kritisieren Expert:innen und Selbsthilfe-Gruppen.

„Die Adipositas-Therapie ist in Deutschland chronisch unterfinanziert“, sagte der Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, Jens Aberle. Ob beispielsweise Kosten für eine Ernährungsberatung oder eine Bewegungstherapie übernommen werden, hänge von der individuellen Zustimmung der Krankenkasse ab.

„Andere Therapieoptionen wie die medikamentöse Behandlung werden grundsätzlich nicht erstattet“, beklagte der ärztliche Leiter am Adipositas-Centrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Adipositas sei eine chronische Krankheit und keine Lebensstil-Entscheidung, betonte Aberle. Notwendig sei professionelle Hilfe.

Professionelle Hilfe oft schwierig

„Menschen mit Adipositas sind in Deutschland unterversorgt“, beobachtet auch Michael Wirtz. Der 50-Jährige aus Winsen (Luhe) bei Hamburg ist Vorstandsmitglied des Vereins Adipositashilfe Deutschland. Wirtz bemängelt zum Beispiel, dass es zu wenige spezielle Bewegungsangebote gibt.

Von Adipositas spricht man ab einem Body Mass Index (BMI) von 30. Es gibt drei Schweregrade. In Hannover wurde in einem Pflegeheim eine Station für 30- bis 60-Jährige mit dem höchsten Schweregrad (BMI über 40) eingerichtet. Nach Angaben des Betreibers Diakovere geht es hier neben der dauerhaften Gewichtsreduktion auch darum, wieder mobil zu werden und die Isolation zu durchbrechen.

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