Kinder sind anfälliger für Infekte

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Berlin -

Werdende Mütter sorgen sich häufig vor Infektionen in der Schwangerschaft. Denn die Behandlungsmöglichkeiten sind oft begrenzt, zudem ist die Sorge vor möglichen Auswirkungen auf das ungeborene Kind groß. Eine Studie im Fachjournal „Nature Communications“ zeigte kürzlich, dass eine Influenza-A-Infektion der Mutter die Infektanfälligkeit beim Kind erhöhen kann. Das Team verweist daher auf die Bedeutung der Influenza-Schutzimpfung für Schwangere.

Forscher:innen des Hamburger Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie untersuchten, welche Auswirkungen eine Influenza-A-Infektion für Schwangere und ihre Nachkommen hat. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Erkrankung die Entwicklung des Immunsystems beeinträchtigen kann – die Kinder sind dadurch in ihren ersten Lebensjahren anfälliger für Infekte mit anderen Viren und Bakterien.

Kausaler Zusammenhang im Tiermodell

Für die Untersuchungen nahm das Team ein Maus-Modell zur Hilfe: Mäuse, die in der frühen Schwangerschaft über die Nase mit dem Influenza-A-Virus infiziert wurden, brachten Nachkommen zur Welt, die langsamer wuchsen und anfälliger für verschiedene Infektionen waren – darunter auch solche die durch multiresistente Keime ausgelöst werden. In der Kontrollgruppe war dies nicht der Fall.

Das Team sieht daher den kausalen Zusammenhang als nachgewiesen. Verschiedene humane Studien hatten bereits ähnliche Hinweise geliefert – allerdings handelte es sich dabei um Assoziationsstudien. Die erhöhte Infektanfälligkeit zeigte sich durch eine reduzierte hämatopoetische Ent­wicklung und Immunantwort. Die fetalen Makrophagen konnten auftretende Infektionen schlechter erkennen und somit weniger gut abwehren.

Influenza-Schutz für Schwangere wichtig

Das Team weist darauf hin, wie wichtig ein besonderer Schutz von Schwangeren in Epidemien und Pandemien ist. Denn dadurch würden nicht nur sie, sondern auch die nächste Generation geschützt werden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die saisonale Grippeschutzimpfung für alle Schwangeren ab dem 2. Trimenon. Sie verweist darauf, dass die Daten zur saisonalen Influenza sowie während vergangener Influenzapandemien gewonnene Erfahrungen zeigen, dass Schwangere bei einer Influenzainfektion ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben. Seit 2010 wird daher die saisonale Influenzaimpfung für alle Frauen empfohlen, die während der Influenzasaison im Winter schwanger sind.

„Da es sich bei den in Deutschland zugelassenen Influenzaimpfstoffen für Erwachsene um Totimpfstoffe handelt, ist eine Impfung generell in jedem Stadium der Schwangerschaft unbedenklich“, erklärt die Stiko. Die Empfehlung wird jedoch für gesunde Schwangere erst ab dem 2. Trimenon empfohlen, damit die im ersten Schwangerschaftsdrittel häufiger auftretenden Spontanaborte nicht fälschlicherweise mit der Impfung in Verbindung gebracht werden und so im Einzelfall für die Betroffenen zu einer besonderen psychischen Belastung werden.

„Schwangere Frauen, bei denen aufgrund einer chronischen Grunderkrankung eine zusätzliche Indikation zur Influenza-Impfung besteht, sollten unabhängig vom Schwangerschaftsstadium geimpft werden.“ Schließlich profitieren auch die Neugeborenen von der Schutzimpfung: Denn über die Plazenta werden Antikörper von der Mutter auf das Kind weitergegeben. Dadurch ist das Kind in den ersten Monaten nach der Geburt vor Influenza geschützt.

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