Erkältungskrankheiten

Husten: Schokolade statt Arzneimittel?

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Berlin -

Etwa 9,2 Kilogramm Schokolade verzehrt jeder Deutsche pro Jahr. Die Briten naschen knapp ein Kilogramm weniger pro Person. Dies könnte sich angesichts der von Alyn H. Morice von der Hull York Medical School vorgelegten Studiendaten möglicherweise ändern. Denn künftig könnten mehr Briten zu Schokolade statt zum Hustensaft greifen, wenn sie an einem grippalen Infekt leiden. Kann die süße Sünde wirklich das Arzneimittel ersetzen?

In der multizentrischen, randomisierten, kontrollierten und einfach verblindeten Studie Rococo untersuchten britische Wissenschaftler die Wirkung eines auf Kakao basierenden Hustenmittels mit Diphenhydramin, Ammoniumchlorid und Levomenthol im Vergleich zu Simple Linctus (Zitronensäuremonohydrat 125 mg/5 ml) bei akutem Husten. 163 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 38 Jahren wurden für die Studie randomisiert. Mit 57 Prozent war die Mehrheit der Probanden weiblich. Alle Studienteilnehmer waren Nichtraucher und auch in den vergangenen zwölf Monaten rauchfrei – Raucher von E-Zigaretten wurden ausgeschlossen.

Primärer Endpunkt der Studie war der Hustenschweregrad nach dreitägiger Behandlung. Außerdem wurden Hustenhäufigkeit, Schlafstörungen und Gesundheitszustand bewertet. Zwar konnte der primäre Endpunkt nicht erreicht werden, aber die Probanden, die den Kakao-Hustensaft erhielten, klagten weniger über Schlafstörungen – schließlich enthält der Kakaosirup Diphenhydramin – und gaben eine geringere Hustenhäufigkeit an. Die Wissenschaftler sehen jedoch auch im Geschmack ein Geheimnis für die Wirkung, denn dieser könne die Compliance erhöhen. Außerdem lege der Sirup einen Schutzfilm um die gereizte und entzündete Schleimhaut. So würden Nerven geschützt und weniger Hustenreize ausgelöst. Trotz aller Spekulationen sollten die enthaltenen Wirkstoffe nicht außer Acht gelassen werden, denn das Antihistaminikum kann den Hustenrefelx mindern, Menthol kühlt und Ammoniumchlorid lockert den Husten.

Eine weitere britische Studie untersuchte die Wirkung von Theobromin bei hartnäckigem Husten. Das dem Coffein strukturell verwandte Methylxanthin ist in Kakaobohnen und Schokolade enthalten und besitzt hustenstillende und vasodilatatorische Eigenschaften. In einer randomisierten, multizentrischen, doppelblinden, placebokontrollierten Parallelstudie mit 289 Teilnehmern wurde die Wirkung von Theobromin im Vergleich zu Placebo untersucht. Theombromin inhibiert Phosphodiesterasen und blockiert Adenosin-Rezeptoren. Es wurde gezeigt, dass Theobromin das unangemessene Abfeuern des Vagusnervs hemmt, was Schlüsselmerkmal des anhaltenden Hustens ist.

Primärer Endpunkt war die Wirkung von Theobromin in Bezug auf die Lebensqualität bei Patienten mit anhaltendem Husten. Als sekundäre Studienziele wurden der Hustenschweregrad und die objektive Hustenreflexempfindlichkeit bewertet. Die Teilnehmer wurden mit 300 mg Theobromin zweimal täglich – morgens und abends – im Abstand von zwölf Stunden behandelt oder erhielten über den Zeitraum von 14 Tagen ein Placebo. Die Studienergebnisse zeigen keine signifikante Überlegenheit für Theobromin in Bezug auf die Lebensqualität, aber immerhin eine Überlegenheit im Vergleich zu Placebo. Zwar konnte eine stärkere Verringerung des Hustenschweregrades im Vergleich zum Placebo dokumentiert werden, allerdings war auch diese nicht statistisch signifikant.

Die Wissenschaftler sehen dennoch Theobromin als vielversprechende Option zur Behandlung von hartnäckigem Husten. Die Substanz besitze einen schnellen Wirkeintritt und eine lange Wirkungsdauer von mehr als vier Stunden. Die Autoren schreiben weiter: Theobromin ist wesentlich wirksamer als Koffein bei der Hemmung des durch Zitronensäure induzierten Hustens im Meerschweinchenmodell und ist mindestens genauso wirksam wie Theophyllin.

Schokolade kann also den Hustensaft nicht ersetzen. Auch eine heiße Schokolade verbleibt nicht lange genug im Hals und ist nicht viskos genug um die Schleimhäute zu schützen. Aber in Zeiten der Erkältung kann Schokolade die Lebensqualität erhöhen, denn Naschen macht ja auch irgendwie glücklich.

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