Studie

Fettleibigkeit beeinflusst Immunsystem

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Berlin -

Bei adipösen Mäusen wirkt eine Grippeimpfung schlechter als bei dünnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle US-amerikanische Studie von Ärzten aus dem St. Jude Children‘s Hospital in Memphis, Tennessee. Die Mediziner untersuchten adipöse Nager und fanden heraus, dass die ihnen injizierten Impfstoffe trotz erhöhter Dosis und gebildeter Antikörper nicht wirkten. Die wissenschaftlichen Befunde hätte auch Implikationen für die immer dicker werdende menschliche Bevölkerung.

Bei der tierexperimentellen Studie waren fettleibige Mäuse trotz Impfstoffen mit Adjuvanzien nicht gegen Grippeinfektionen geschützt. Das Übergewicht der Mäuse schien auch die Immunreaktion selbst abzuschwächen, obwohl ein normalerweise schützender Level an neutralisierenden Antikörpern im Blut erreicht wurde. „Das ist die erste Studie, die zeigt, dass aktuelle Impfstrategien zwar dazu geeignet sind, schlanke Mäuse vor Krankheiten zu schützen, adipösen Mäusen mitunter aber keinen Schutz bieten können“, sagte Mitautorin Dr. Stacey Schultz-Cherry.

Selbst injizierte abwehrende Antikörper schlanker Mäuse konnten adipöse Mäuse nicht vor Grippeinfektionen schützen. „Das führt zu der These, dass das Problem nicht in den Antikörpern selbst, sondern in der Immunantwort der fettleibigen Mäuse liegt“, sagte Dr. Erik Karlsson, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. „Das Virus dringt viel tiefer in die Lungen der adipösen Mäuse ein, den Tieren fiel es schwerer, den Schaden zu reparieren“, sagte Schultz-Cherry.

Die in der Studie verwendeten Impfstoffe waren auf das Influenza-A-Virus H1N1 und auf das 2013 in China entdeckte Virus A H7N9 gerichtet. Das Virus birgt laut Studie das Potenzial, Pandemien auszulösen. Selbst eine vierfache Steigerung der Impfstoffdosis konnte bei den mit dem H7N9-Virus infizierten adipösen Mäusen eine Grippe oder den Tod nicht verhindern.

Die Befunde erhärten die Sorgen vor Grippepandemien, die sich zum Beispiel über Vogelgrippeviren ausbreiten. Hinzu kommt die statistisch nachweisbare, zunehmende Fettleibigkeit der Weltbevölkerung: Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass 10 Prozent der Erwachsenen und 42 Millionen Kinder unter fünf Jahren weltweit die Kriterien zum Übergewicht erfüllen. Das Risiko, wegen einer Grippeinfektion ins Krankenhaus zu kommen oder gar zu sterben, ist für diese Betroffenen sehr hoch.

Die Schuld für diesen Anstieg sieht die WHO vor allem in der Werbung für ungesundes Essen. Die Staaten müssten daher mit Gesetzen und Programmen eingreifen. In Deutschland fordern Experten Ähnliches.

Am stärksten stieg die Zahl zu dicker Kinder unter fünf Jahren nach dem WHO-Bericht in Ländern mit unterem und mittlerem Einkommen. 2014 waren dort 15,5 Millionen Kinder übergewichtig – mehr als doppelt so viele wie 1990 (7,5 Millionen). Fast die Hälfte der zu dicken Kinder lebe in Asien (48 Prozent), ein Viertel in Afrika.

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