Wirtschaftswoche-Kolumne

„Beratung: Service für Analphabeten“ APOTHEKE ADHOC, 07.11.2019 10:30 Uhr

Berlin - Einigen ist der Journalist und Autor Marcus Werner aus dem TV bekannt. Andere kennen seinen Roman „Ein Joghurt namens Annika“ und auch als Kolumnist der Wirtschaftswoche (Wiwo) spitzt Werner seine Feder. In der aktuellen Ausgabe hat er die Apotheker ins Visier genommen und rechnet mit dem Berufsstand ab: „Der Kampf der Apotheken gegen den Online-Versand ist aussichtslos. Viele Kunden können auf die formelle Beratung vor Ort wunderbar verzichten“, beginnt seine Kolumne und macht dann Hoffnung: „Neue Aufgaben könnten die Apotheken aber aufwerten und Wartezimmer beim Hausarzt entlasten.“

In Deutschland solle man sich nie vor einer Apotheke verabreden, beschreibt Werner den aus seiner Sicht bestehenden Überfluss: „Denn so werden Sie Ihre Lieben niemals pünktlich wiedersehen. Der eine steht dann vor der ‚Löwenapotheke‘, die andere vor der ‚Marienapotheke‘, der Dritte vor der ‚Apotheke am Rathaus‘.“ Es gebe einfach so unfassbar viele Apotheken. Man könne auch sagen: Mehr als nötig. „Bleiben Sie in irgendeiner deutschen Innenstadt mal auf dem Gehweg stehen, stellen Sie sich auf Ihrer Straßenseite mit dem Rücken zur Häuserzeile und dann wenden Sie Ihren Kopf einmal nach links und danach nach rechts. Fast immer klappt es: Sie entdecken in diesem Panorama irgendwo eine Apotheke. Wirklich!“

In Dänemark sei die Lage anders. Dort stünden die Kunden in den wenigen Apotheken, die es dort gebe, mitunter in Warteschlangen bis raus auf die Straße. Das kenne man in Deutschland so nur von Postfilialen in der Mittagszeit. Bei diesem Apotheken-Überangebot in Städten schmerze es natürlich ganz besonders, wenn einem als Unternehmer dann der „Onlinehandel jung und frisch und frech dazwischen grätscht“. Die alteingesessenen Apotheken plakatierten deshalb immer mal wieder halb Deutschland zu und warnten vor dem Untergang ihrer schönen Welt: „Wenn wir Medikamente im Internet bestellen (was aus Kundensicht für viele eine sehr vernünftige, komfortable Sache ist), müssen ganz viele Apotheken schließen und dann gibt es keine Beratung mehr. Und keinen Notdienst.“

Als interessierter Verbraucher schätzt er das so ein: „Apotheken sterben nicht dort, wo es so wenige gibt, dass die Versorgung vor Ort gefährdet wäre. Sondern dort, wo es so viele gibt, dass sie sich schon heute gegenseitig kannibalisieren. Es würde ja reichen, wenn man beim 180-Grad-Blick in der Innenstadt nur noch eine, und nicht zwei oder drei Apotheken sehen könnte. Wie gesagt: aus Kundensicht.“ Bei einer Überversorgung mit Apotheken werde neue Konkurrenz (wie Onlineapotheken) aus Apothekersicht schnell zur Gefahr für die eigene Existenz. Gerade dann, wenn endlich bald mal digitale Rezepte Standard würden, die man dann ruckzuck online einreichen könne. „Schluss mit dem hinterwäldlerischen Zettelkram! Meine Güte! Unsere EU-Nachbarn lachen uns aus. Wirklich!“, so Werner.

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