Testcenter der Apotheke schließt Ende Februar

„Wir sind doch keine Shisha-Bude in Bonn“

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Berlin -

Zum 28. Februar endet der Anspruch auf kostenlose Corona-Bürgertests – ohne Ausnahme für sämtliche Personengruppen. Der Bund übernimmt keine Kosten mehr. Was bedeutet das für Apotheken, die solche Tests bisher als Serviceleistung für Patient:innen anboten? Robert Herold, Inhaber der Central-Apotheke im sächsischen Falkenstein, schließt sein externes Testcenter Ende Februar.

Angemietet hatte Herold die Räume für sein Testcenter in unmittelbarer Nähe zur Apotheke wohl wissend mit einem befristeten Mietvertrag: „Wir haben den Vertrag zu Ende Februar gekündigt und werden das Testcenter dann schließen. Der dort arbeitende Angestellte weiß auch Bescheid. Wir haben vorher kalkuliert, dass Februar-März Schluss ist“, so Herold. Der Inhaber werde die Bürgertests nach der Schließung jedoch weiterhin in der Apotheke anbieten als „übliche Dienstleistung“. Die Kund:innen der Central-Apotheke reagieren eher positiv auf die neuen Regelungen: „Die Leute wollen das größtenteils endlich loshaben. Die meisten sind einfach fertig mit dem Thema und nicht böse über die Abschaffung der kostenlosen Tests.“

Man wisse zudem nicht, was auf Deutschland noch zukomme, so Herold. „Was aus China an Varianten zu uns kommt und ob man das überhaupt mit Tests dann noch abfedern kann, bleibt ungewiss.“ Herold beklagt zudem die unterschiedliche Handhabung der Testvorschriften: „In manchen Einrichtungen muss man derzeit einen Test vorweisen, in anderen wiederum nicht. Das wird mittlerweile so unterschiedlich gehandhabt. Es fehlt insgesamt an Glaubwürdigkeit.“

Halbes Jahr Vorkasse

Den finanziellen Aspekt dürfe man im Hinblick auf die Vorleistung, in die viele Apotheken gehen mussten, auch nicht außer Acht lassen: „Wir haben im Prinzip ein halbes Jahr lang auf unser Geld von der KV gewartet. Wir mussten in Vorleistung gehen und haben lange Zeit nichts bezahlt bekommen. Das muss man sich mal vorstellen, das ist geschäftsschädigend.“

Viele seien der Meinung, die Apotheken hätten sich mit Corona-Tests bereichert und ein gutes Geschäft gemacht, so Herold. „Wir sind doch hier nicht irgendeine Shisha-Bar in Bonn und veranstalten nur Unfug mit dem ganzen Krempel. Das kostet alles Geld, wenn man solche Tests anbietet.“

No-Q ist die Kundenbindung wichtig

Was bedeutet der Wegfall der kostenlosen Tests für das Unternehmen No-Q, das mit seinem Serviceangebot ein digitales System zur Verfügung stellt, welches die Arbeit in der Apotheke erleichtern soll und der Terminbuchung, Abwicklung, Dokumentation und Meldung von Covid-Tests dient? APOTHEKE ADHOC hat nachgefragt:

„Unser Serviceangebot geht über das Testangebot in den Apotheken hinaus. Uns ist es wichtig, dass Apotheken offensichtlich einen Grundstein für eine gute Kundenbindung gelegt haben. Die Kund:innen können durch die geschaffene Transparenz sehen, dass die Apotheke mehrere Dienstleistungen anbietet. Blutdruckmessung, die Vitamin-D-Analyse oder auch eine Beratung zur Reiseapotheke: Digital, eingebunden in das No-Q-System, konnte in den letzten zwei Jahren eine enorme Arbeitserleichterung für die Apotheken geschaffen werden. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich bedauerlich, dass mit Wegfall der kostenlosen Bürgertests auch eine Einnahmequelle fehlt, aber der Grundstein der Kundenbindung ist viel relevanter.“

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