Übernahme in Pforzheim

Vater-Tochter-Duo: Aus 3 mach 6

, Uhr
Berlin -

In Pforzheim konzentriert sich die Inhaberschaft der Apotheken in der Innenstadt weiter: Nachdem Dr. Thomas Haug und seine Tochter Dr. Stefanie Weiser bereits in Form einer OHG drei Apotheken führen, kamen zum Jahreswechsel drei weitere hinzu. Grund dafür ist, dass Apotheker Jens Tonne drei seiner vier Apotheken veräußern wollte – dem Vernehmen nach aus gesundheitlichen Gründen.

Weiser und Haug führen seit 2007 bereits gemeinsam Apotheken: Erst die Stadt Apotheke in der Fußgängerzone, seit 2009 die gemeinsam gegründete Tiergarten Apotheke am Stadtrand und 2013 übernahmen sie die Reuchlin Apotheke schräg gegenüber der eigenen Stadt Apotheke. In der Innenstadt kommen nun die drei Apotheken von Tonne hinzu: die Hebel- und die Schlössle-Apotheke sowie die Center-Apotheke Wilferdinger Höhe im Norden der Stadt.

Die vierte Apotheke, die Central-Apotheke in der Innenstadt, behält Tonne vorerst. Denn: Ein Stellvertreter kümmert sich vor Ort ums Geschäft. Noch sei keine Klärung über die Zukunft der Apotheke in Sicht. Die nun übergebenen Filialen waren seine Pacht-Apotheken, verpachtet offenbar durch die Familie des früheren Brücken-Apothekers Bernd Reiser, dem vor Tonne auch die Central-Apotheke gehörte. Auch Reiser war damals aus gesundheitlichen Gründen mit seinen Apotheken in die Schieflage geraten, nun suchten auch die Verpächter von Tonne nach neuen Eigentümern.

Gute Lage in schwierigem Umfeld

Diesen Schritt hat nun das Vater-Tochter-Duo gewagt, die bestehende OHG aufgelöst und die sechs Apotheken untereinander aufgeteilt. So betreibt Weiser vier und Vater Haug zwei der Pforzheimer Apotheken. „Der Start war etwas turbulent“, so Weiser zur Verbund-Übernahme. Sie betreibt nun die Hebel- und Center-Apotheke von Vorinhaber Tonne sowie die Stadt- und die Tiergarten-Apotheke aus dem Familienbestand.

Bereits vor knapp sechs Jahren beschrieb Weiser die Innenstadtlage als verändert: „Früher gab es viele Ärzte in der Fußgängerzone, sie sind mittlerweile abgewandert.“ Das machte sich im Umsatz bemerkbar: „Da muss man sich als Apotheke schon sehr viel Mühe geben.“ In der Stadt-Apotheke gehört zum Beispiel die Heimversorgung dazu. Und auch eine weitere Veränderung im Stadtbild betrifft die Apotheken: Galeria Kaufhof direkt neben der Stadt- und gegenüber der väterlichen Reuchlin-Apotheke hat vor Kurzem komplett geschlossen. Wie es mit den Gebäuden der insolventen Warenhauskette weitergeht, steht vielerorts noch in den Sternen, so auch in Pforzheim.

Doch Weiser und Haug sehen optimistisch in die Zukunft. Seit 17 Jahren arbeiten Tochter und Vater nun schon zusammen und wollen ihr Modell auf jeden Fall beibehalten. Auch ohne OHG profitieren die beiden in jeglicher Hinsicht voneinander, nicht zuletzt als Einkaufsgemeinschaft. „Die Zeiten sind nicht einfach. Da ist es schön, jemanden zu haben, auf den man sich verlassen kann. Und auf wen könnte man sich mehr verlassen, als auf den eigenen Vater“, so Weiser.

Auf den Verkauf der drei Apotheken sind sie nicht über den Stadtfunk aufmerksam geworden, sondern ein Makler suchte neue Inhaber. Vorzugsweise sollte jemand alle drei Apotheken übernehmen, was für einen einzelnen Inhaber natürlich schwierig ist. Das war keine einfache Ausgangslage, weiß auch Weiser. „Natürlich mussten wir uns das noch überlegen. Und natürlich musste mein Vater zustimmen, dass wir das so aufteilen. Das ist eine Chance. Die Standorte ergänzen sich gut.“ So liegt die Schlössle-Apotheke in der Fußgängerzone in einem Center, die ebenfalls innenstädtische Hebel-Apotheke in einem Ärztehaus und die etwas abgelegene Center-Apotheke neben Kaufland in einem Center.

Teams komplett übernommen

Auch wenn die Lage in der Pforzheimer Innenstadt und die der Apotheken allgemein nicht einfach ist, ist das Duo zuversichtlich. Die jeweiligen Teams von Vorgänger Tonne wurden ebenfalls übernommen. Dass das so klappte, freut Weiser: „Das sind alles alteingesessene Apotheken mit ganz tollen Teams, die zum Glück bei uns bleiben und die die Apotheken kennen.“ Das Team wusste wohl bereits im vergangenen Jahr, dass es eine Veränderung geben wird, was auch für ein bisschen Unsicherheit gesorgt hat. „Wir sind dann vor Weihnachten auf die Teams zugekommen, haben uns vorgestellt und unsere Arbeit vorgestellt.“

Zum Jahreswechsel hat auch die übernommene Apotheke im Ärztehaus eine neue Gewichtung bekommen, denn auch hier waren die Verzögerungen mit dem E-Rezept zu spüren. „Das haben wir alle komplett unterschätzt. Das E-Rezept wirbelt da jetzt alles durcheinander, mal schauen, wie das wird. Viele Kunden kommen rein und das Rezept ist noch nicht hochgeladen oder die Signatur ist nicht da.“ Mit den Ärzten im Haus sei Weiser bereits im Austausch wegen der Komfortsignatur.

„Das ist eine spannende Zeit“, sagt Weiser, sieht sich aber im Verbund und mit ihrem Vater gut aufgestellt. „Die Apotheke der Zukunft kann nur bestehen, wenn man über das Normale hinausgeht.“ Somit liegt der Fokus auf pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) und auf Rundumversorgung. Ein zusätzliches Rund-um-Angebot gibt es über den eigenen Online-Shop. Dieser konzentriert sich auf Pforzheim mit seinen drei verschiedenen Liefertouren. Für Tochter und Vater ein „super wichtiger“ Service, wie Weiser sagt. Wer bis 15 Uhr bestellt, bekomme das Bestellte nach Verfügbarkeit noch am gleichen Tag, drei verschiedene Lieferfenster stehen den Kund:innen täglich zur Verfügung.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Kein Personal – kein Nachfolger
Apotheke im Ärztehaus zu verschenken
Vorteile auf allen Seiten
Abholautomat: „Retter in der Not“
Mehr aus Ressort
Aktionstag Cannabis-Legalisierung
„Smoke-In“: 4000 Menschen kiffen gemeinsam

APOTHEKE ADHOC Debatte