Süß & teuer

Vanille – das neue Gold der Apotheke Silvia Meixner, 23.07.2018 12:22 Uhr

Berlin - Wer hat’s erfunden? Natürlich ein Apotheker. Ferdinand Tiemann gelang es gemeinsam mit Wilhelm Haarmann, Vanillin herzustellen. Im Jahr 1874 war das eine kleine Sensation. Heute ist ihre Erfindung gefragter denn je. Die Vanillepreise schießen derzeit nämlich in die Höhe. Ein Kilogramm der fermentierten Schoten kostet 600 Euro.

Noch ist Gold um ein Vielfaches teurer, ein Gramm kostet derzeit 33,71 Euro. Aber für viele Köche ist Vanille im Augenblick kostbar wie nie. In Expertenkreisen gilt die Orchidee Vanilla planifolia, die als Liane in tropischen Wäldern wächst, als Königin der Gewürze. Ohne sie gäbe es keine Vanillekipferl, kein besonders leckeres Vanilleeis und so mancher Kuchen würde bestenfalls halb so gut schmecken.

Bevor das Gewürz von den Köchen entdeckt wurde, wurde es auch als Heilmittel eingesetzt. Die Azteken nannten die Pflanze „Cacixanatl“ (in der Sprache der Azteken bedeutet das „tiefgründige Blume“). Der spanische Missionar und Ethnologe Bernardo de Sahagún (1500-1590) notierte, dass der letzte Aztekenherrscher, Moctezuma II. (1465-1520), täglich bis zu 50 Tassen Schokolade mit Vanille getrunken haben soll. Ein klarer Fall von Überdosierung. Das Getränk schmeckte gut und sollte schwierige Gäste milde stimmen, weshalb man den Spezial-Kakao „Göttertrank“ nannte.

Internationale Gewürzhändler warten mit Spannung auf die nächste Ernte aus Madagaskar. In drei Monaten ist es so weit. Hoffentlich. Denn derzeit gibt es massive Liefer- und Qualitätsprobleme. In der Bild-Zeitung spricht Vanille-Importeur Berend Hachmann gar von Engpässen. Sein Unternehmen beliefert derzeit nur noch Stammkunden. Der Experte befürchtet, dass es in Supermärkten deshalb zu Engpässen kommen könnte. Aust-Hachmann sitzt in Hamburg und handelt seit dem Jahr 1881 mit dem begehrten Gewürz. Teurer ist seit jeher nur noch Safran.

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