Nach acht Jahren als Angestellter hat Benjamin Althof die Rolle im Team gewechselt. Er kaufte seinem Chef die Eisenhut-Apotheke in Siegen ab und machte sich selbstständig. Ein Wunsch, den es schon immer gegeben habe, sagt der 46-Jährige. „Ich habe lange überlegt, denn es ist auch ein Risiko, das man eingeht.“
Althof führt die Apotheke seit Januar. Zuvor war er bei Torsten Heide angestellt, der den Betrieb fast 30 Jahren leitete. „Ich hatte immer im Kopf, eine eigene Apotheke zu haben“, sagt Althof. Bereits sein Vater war in der Nähe Inhaber und er wuchs mit der Apotheke auf. Nach dem Studium wechselte er nach Köln und war dort als Angestellter tätig. Die Übernahme des väterlichen Betriebs sei damals nicht in Frage gekommen, da er zunächst in der Stadt bleiben wollte. Zudem sei die Apotheke zu klein gewesen.
Während der Tätigkeit bei Heide kam zuletzt der Wunsch nach einem eigenen Betrieb wieder auf. Althof sprach seinen Chef direkt darauf an. „Ich bin auf ihn zugegangen und habe ihm erklärt, wie ich mir meine Zukunft vorstelle.“ Anfang 2025 gingen die beiden in die Planung. Nachdem die Apotheke geschätzt wurde, wurden die Gespräche intensiver und die Übernahme konkreter. „Es ging dann relativ schnell mit der Entscheidung“, sagt Althof.
Für den Schritt habe er Mut gebraucht – gerade in Zeiten, in denen viele Betriebe schließen müssten. Denn immerhin sei für den Kauf ein „großer Kredit“ nötig gewesen. „Ich hätte die Apotheke vielleicht nicht übernommen, wenn ich nicht vorher hier gearbeitet hätte.“ Doch durch die Zeit als Angestellter kannte er die Abläufe, das Team und die Frequenz. „Ich wusste, dass ich ein super Team habe, das mir hilft.“ Zwölf Angestellte gehören dazu.
Die ersten Wochen als Selbstständiger seien vor allem von zahlreichen Verwaltungsaufgaben wie Ummeldungen geprägt gewesen. „Jetzt wird es langsam etwas ruhiger und man kann sich wieder auf die pharmazeutische Arbeit konzentrieren.“
Heide freut sich über die gelungene Übergabe. Eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden, ist nicht mehr selbstverständlich. Wegen der zugespitzten wirtschaftlichen Situation und der demografischen Entwicklung wird das Angebot an Apotheken immer größer. Laut Apobank sind etwa 40 Prozent der selbständigen Apothekerinnen und Apotheker in einem Alter von über 55 Jahren. Jeder zweite von ihnen wird sich mit der Nachfolge und Apothekenabgabe beschäftigen müssen. Gleichzeitig rückten zu wenig junge Pharmazeutinnen und Pharmazeuten nach.