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Thermomix statt Apotheke

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Berlin -

Zwei lange Jahre lag eine vollständig eingerichtete Apotheke im niedersächsischen Stotel brach. Die Hausbesitzerin ließ nichts unversucht, schaltete die Lokalpolitik ein und suchte auf Ebay-Kleinanzeigen und Facebook nach einem neuen Betreiber. Jetzt gab sie auf.

Im Dezember hatten Tanja Grünefeld und ihr Mann das Haus in Stotel übernommen. „Das Gebäude wurde ursprünglich auch von einem Apotheker gebaut“, erzählt sie. „Er starb vor gut 25 Jahren tragisch noch vor seinem 50. Geburtstag an Krebs.“ Seine Erben verpachteten die Burg-Apotheke danach weiter. Bis 2016, dann lief der letzte Vertrag aus. „Die Familie wollte das Gebäude gerne loswerden. Der damalige Pächter schreckte vor dem Kauf zurück, er hatte die Apotheke ohnehin als Filiale seiner Bremerhavener Hauptapotheke betrieben.“

Grünefeld ging sofort in die Offensive, mobilisierte schon im Januar die Lokalpolitik und den Landtagsabgeordneten aus dem Wahlkreis und schaltete eine Annonce auf Ebay-Kleinanzeigen. Dabei lockte die Vermieterin mit einer niedrigen Miete für die 140 Quadratmeter große, ebenerdige Gewerbefläche. Auf Wunsch hätte es eine 160 Quadratmeter große Wohnung mit direktem Zugang zum Geschäft dazu geben können. Notdienste wären so völlig unproblematisch gewesen, sagt Grünfeld. Sechs Parkplätze gab es direkt vor der Tür, eine Arztpraxis und ein Seniorenzentrum in unmittelbarer Nähe.

Doch die Inserate haben nur wenig Resonanz gefunden. „Es gab insgesamt drei Interessenten. Einer hat sich nach dem ersten Telefongespräch nicht mehr gerührt. Eine Apothekerin wollte sich selbstständig machen. Zuletzt meldete sich eine weitere Apothekerin, die sich räumlich verändern und ihre alte Apotheke verkaufen musste.“

Der lange Leerstand habe jedoch seinen Tribut gefordert. „Es gab keine neueren Umsatzzahlen mehr, zudem befürchtete die letzte Interessentin, dass sie kein geeignetes Personal finden und dann den Notdienst allein betreuen müsste.“ Zudem hätten sich ihre Mitbürger umorientiert, muss auch Grünefeld einräumen. Das 2600 Einwohner umfassende Stotel ist Teil der aus 22 kleinen Ortschaften bestehenden Einheitsgemeinde Loxstedt. Direkt nebenan liegt der gleichnamige Ort. „Der Apotheker dort hat von der Schließung in Stotel profitiert und schrieb gute Umsatzzahlen“, weiß Grünfeld. „Jetzt hat er selbst seinen Betrieb übergeben. Der Nachfolger konnte sich ins gemachte Nest setzen und auch das gesamte Personal übernehmen.“

Die Hausbesitzerin hat derweil resigniert. „Am besten wäre es gewesen, wenn ein Mensch aus Stotel selbst die Apotheke geführt hätte, mit viel Herzblut für seinen Ort.“ Doch der sei weit und breit nicht zu finden gewesen. Im Winter noch lehnte sie die Anfrage eines Friseursalons ab. Doch einem weiteren Mietgesuch konnte sie nicht widerstehen. Im September wird die Bezirksverwaltung von Vorwerck einziehen. „Hier werden demnächst Thermomix-Schulungen und Kochkurse angeboten“, so Grünefeld.

Derzeit laufen in der alten Offizin die Umbauarbeiten. Die komplett erhaltene gut gepflegte Einrichtung wollte die Hausbesitzerin verkaufen. „Aber auch die bin ich einfach nicht los geworden.“ Letztlich hat sie alles über Ebay Kleinanzeigen verschenkt.

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