Presseschau

Tag der Apotheke: Mageres Medienecho

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Berlin -

Während das Medienecho zum Tag der Apotheker eher verhalten ausfiel, sorgte ein satirischer Social-Media-Post der „ZDF Heute Show“ für eine kontroverse Diskussion.

Zum Tag der Apotheke hat das Satire-Format auf Facebook und Instagram mit der Adaption eines Internet-Memes für Aufsehen gesorgt: Auf die Schlagzeile „Apothekensterben beschleunigt sich“ konterte die Sendung mit dem zynisch zu interpretierenden Meme „Press F to pay respect“. In den Kommentaren posteten Laien Mythen und Perlen des Irrglaubens: Fachpersonen klärten diese schonungslos auf.

Adaptierte Netzkultur

Viele Kommentare zielen darauf ab, dass das Meme für sie unverständlich ist. Deshalb zum Kontext: „Press F to pay respect“ ist ein Ausdruck der Netzkultur aus dem Jahr 2014. Im Action-Shooter „Call of Duty: Advanced Warfare“ kann man in der Rolle des Protagonisten auf einer Beerdigung an einen Sarg herantreten. Hier hat der Spieler die Option, die Taste „F“ zu drücken, um eine Respektsgeste der Spielfigur auszulösen.

Die Option wurde schnell zum Meme: einem humoristischen, manchmal auch satirisch und entsprechend gesellschaftskritischen Medieninhalt, häufig in Bildform mit ergänzenden, kurzen Erklärungen. Der Grund: Die Beerdigungs-Szene wirkte gezwungen interaktiv. User:innen empfanden es als unangemessen, Emotionen per Knopfdruck zu erzeugen. Das Meme verbreitete sich daraufhin und wurde zu einer gängigen Reaktion auf Fails.

Dass die Heute Show unter ihr Bild schlicht den Buchstaben F postete, deutet folglich auf das Misslingen der Medikamentenversorgung in Deutschland hin. Zudem unterstreicht es die Tragik des Apothekensterbens.

Zynisch und pauschal

Während auf Instagram vor allem Apotheken ausschweifende, aufklärende Kommentare zur aktuellen Lage posteten, kommentierten auf Facebook 415 User – eine bunte Mischung aus Laien und Fachpersonen – das Meme der Heute Show kontrovers oder nahmen es zum Anlass, ihre Meinung zum Thema Apothekensterben kundzutun. Dabei zeigte sich, dass viele Mythen und Irrglauben noch immer in den Köpfen der Menschen feststecken.

Auffällig: Viele Userinnen und User können das Problem des Apothekensterbens nicht nachvollziehen: „Wird auch Zeit. Bei uns in der Kreisstadt gibt es an jeder Straßenecke eine (Apotheke)“, weiß jemand. Auch mit zynischen, pauschalisierenden Kommentaren wird nicht zurückgehalten: Beispiele wie „Oh nein, es ist nicht mehr jedes fünfte Geschäft eine Apotheke, die einem mies überteuertes Placebozeug andrehen will“, „bei den Abzockerpreisen kein Wunder“ oder „die Redewendung ‚so teuer wie in der Apotheke‘ gibt's wohl nicht umsonst“, stellen hier nur eine Auswahl dar.

Zwischen Mythos und Aufklärung

Eine Userin erklärte freudig, dass sich für sie in der ländlichen Gegend Versandapotheken bewährt hätten. Die Belehrung der Kommentierenden ließ nicht lange auf sich warten: „Ja und warum müssen sich dann die Apotheker an Sonn- und Feiertagen und nachts in ihre Apotheke setzen und Notdienst machen?“ Das war für die Userin durchaus schlüssig: „Vermutlich weil diese ihren Lebensunterhalt verdienen müssen und wohl gesetzlich Notdienste vorhanden sein müssen?“ Ein Irrglaube, wenn man bedenkt, wie defizitär der Notdienst in Deutschland noch immer vergütet wird.

„Onlineapotheken boomen doch“, ist sich jemand anderes sicher. „Ist wie im Einzelhandel auch: Der Kunde entscheidet und nimmt damit Einfluss auf das Bestehen oder Vergehen. Warum sollte das bei Apotheken anders sein?“ Auch hier: Fachpersonen klären auf. „Die Onliner zahlen hier keine Steuern, bieten keine qualifizierten Arbeitsplätze in Deutschland“, ist nur einer der vielen aufklärenden Kommentare. Und dass es bei DocMorris, Shop Apotheke & Co. nicht rosig aussieht, wird ebenfalls mehrfach unterstrichen. „Die boomen? Es gibt eigentlich nur noch zwei Nennenswerte und die stecken beide in den roten Zahlen. Viel Erfolg bei der Arzneimittelbestellung in der Zukunft!“

Wozu Vor-Ort-Apotheken?

„Schon mal von ‛ner Online-Apotheke beraten worden? Vielleicht sogar mitten in der Nacht oder am Wochenende und dann ein dringend benötigtes Medikament bekommen?“, fragt jemand. Die Userschaft kommentiert ungläubig: „Warum muss ich ein dringend benötigtes Medikament in einer Apotheke holen?“, oder: „Verschreibt im Normalfall nicht der Arzt Medikamente?“

Diese und Kommentare wie „Ein digitaler Service kann tausende von Menschen versorgen. Eine niedergelassene Apotheke nur die Menschen vor Ort“, machen deutlich, wie unwissend viele Menschen bezüglich des Apothekensterbens nach wie vor sind.

Medienecho verhallt

Im vergangenen Jahr gingen die Apotheken im Juni auf die Straßen, machten dicht; sorgten dafür, dass zumindest der eine Kunde oder die andere Politikerin wirklich betroffen auf die Lage reagieren konnte. In diesem Jahr gab es rote Shirts, Aufkleber, eine Umfrage, Gespräche mit Politikern – die zumindest bisher medial noch nicht zum Tag der Apotheke stattgefunden haben – und das bei weiteren 500 geschlossenen Apotheken.

Ohne Frage: Es gab ein Medienecho, ein großes sogar, die Branchenmeldungen wurden aufgegriffen. Abda-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening wird zitiert, genauso wie Adexa-Chef Andreas May. Doch dabei bleibt es zunächst. Keine Einordnung folgte, nicht einmal ein Kontra seitens der Krankenkassen oder anderer Verdächtiger. „Mehr als eine Apotheke am Tag verschwindet“ oder „Apothekensterben schreitet voran“, so die Headlines. Leider bleibt es auch genau hierbei.

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