Stromausfall: Wie bereiten sich Apotheken vor? | APOTHEKE ADHOC
Inhaber kaufen Notstromaggregate

Stromausfall: Wie bereiten sich Apotheken vor?

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Berlin -

Fällt der Strom aus, bedeutet das für Unternehmen eine massive Einschränkung – das gilt auch für Apotheken: Keine Kühlung, kein Licht, keine Kasse und auch keine Kommunikation mit dem Großhandel. Zudem fällt Securpharm weg, das Aus- und Einbuchen über den QR-Code der Arzneimittel ist unmöglich. Ist eine Aufrechterhaltung des Betriebes unter diesen Bedingungen möglich? Wie bereiten sich Apotheken vor?

Das Thema Blackout ist wegen des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine gegenwärtiger denn je. Flächendeckend ist in Deutschland bisher kein mehrtägiger Stromausfall aufgetreten. Dennoch bereiten die Bundesregierung und die zuständigen Katastrophenschutzbehörden die Bevölkerung auf mögliche Blackout-Szenarien vor. Doch was bedeutet das für Apotheken und wie könnte eine Vorbereitung aussehen?

Um die ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung der Bevölkerung gemäß Apothekengesetz sicherzustellen, hat sich Apotheker Wolfgang Scharpf ein Notstromaggregat für seine Apotheke in Sonthofen besorgt. „Wir sind damit fürs Erste handlungsfähig. Das Notstromaggregat stellt eine Adhoc-Versorgung der Kühlschränke und der Notkassen dar“, erklärt Scharpf. Mit dem Gerät könne er die Versorgung der Patient:innen für kurze Zeit sicherstellen und den Betreib aufrechterhalten.

Der Apotheker schätzt, dass er so mindestens fünf bis zehn Stunden überbrücken kann. Mehr sei nicht drin, denn laut den gesetzlichen Bestimmungen dürfen entzündliche Treibstoffe nur in begrenztem Umfang vorrätig gehalten werden: Auf 100 Quadratmeter in einer Garage etwa dürfen maximal 20 Liter Benzin oder 200 Liter Diesel gelagert werden.

Kühlschrank hält maximal 60 Minuten

Anders als oft angenommen, hält ein stromloser Medikamentenkühlschrank die Temperatur nur für etwa 20 bis 60 Minuten. Der zulässige Bereich liegt hier bei 8 °C laut DIN 58345. Dies ist abhängig von verschiedenen Faktoren, zum Beispiel der Umgebungstemperatur und aktueller Temperatur des Kühlgutes und dessen gekühlter Masse/Volumina. Bei Stromausfall sind kühlpflichtige Medikamente schnell gefährdet, aber auch die elektronischen Bauteile.

Zentralisieren und organisieren

Die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) schreibt zudem vor: Der Apothekenleiter hat die Arzneimittel und apothekenpflichtigen Medizinprodukte, die zur Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Versorgung der Bevölkerung notwendig sind, in einer Menge vorrätig zu halten, die mindestens dem durchschnittlichen Bedarf für eine Woche entspricht. Hier setzt Scharpf auf eine unkomplizierte Lösung im Verbund: „Sollte ein Blackout kommen, können wir mit einer guten Zusammenarbeit unter Kolleg:innen einiges erreichen. Wir sollten uns dann zentralisieren und gut organisieren. So könnten wir die Menschen vorerst versorgen. Wie lange ein solcher Stromausfall dauern würde, kann niemand vorhersehen.“

Notstromaggregat für die erste Notlage

Für einen temporären Stromausfall hat auch Alexander Jaksche, Inhaber der Apotheke an der Mathildenhöhe, vorgesorgt. Vor zwei Wochen kaufte er ebenfalls ein Notstromaggregat. „Noch war das Gerät relativ günstig zu bekommen. Für 400 Euro kann man sich sowas für die erste Akutversorgung hinstellen." Wenn der Strom wirklich ausfallen sollte, käme auch Jaksche wohl fünf bis zehn Stunden zurecht. Er könne damit wenigstens einen Kühlschrank und einen Computer betreiben: „Mir ist es wichtig, die erste Zeit zu überbrücken, so dass wenigstens ein Kühlschrank mit teuren Kühlartikeln betrieben werden kann. Sollte der Ausfall länger dauern, kann man sowieso nichts mehr machen. Niemand kann in so einer Situation abschätzen, wie lange es dauert.“

Jaksche hätte sogar einen Raum, der explosionsgeschützt ist, und könne dort ein wenig Treibstoff lagern. „Es sind ja nur geringe Mengen erlaubt. Das Aggregat hilft uns, die erste missliche Lage zu überbrücken. Ob man dann noch eine Tankstelle ansteuern kann, die noch Sprit hat, muss situativ entschieden werden.“ Er selbst sei nach Eintreffen des Aggregates erst einmal ein wenig beruhigter gewesen: „Man hat es ja schon mehrfach beobachten können, wie die Menschen reagieren, wenn es Engpässe gibt. Ich habe mir das Aggregat schon vor zwei Wochen bestellt. Es wird ja nicht schlecht. Wenn die Situation erst eintritt, dass der Strom ausfällt, werden die Geräte entweder utopisch teuer oder sind gar nicht mehr lieferbar.“

Satellitengestütztes Internet

Gedanken macht sich der Inhaber auch um das Internet, wenn der Strom ausfallen sollte. Dazu habe er bereits mit einem Telefonanbieter einen Termin vereinbart, um auf satellitengestütztes Internet umsteigen zu können. „Na klar braucht auch der Router in dem Moment Strom, aber man kann eventuell auch mit dem Handy einen Hotspot einrichten, um kommunikationsfähig zu bleiben. Interessant ist das vor allem auch im Hinblick auf das E-Rezept.“ Falle der Strom großflächig aus, könne man sich regional auch hier gegenseitig unterstützen. „Natürlich würde ich meinen Kolleg:innen helfen und tun, was ich kann. Wenn der Strom aber länger als drei Tage ausfällt, ist eh alles zu spät.“

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