Leuchtreklame, Schaufenster, Hauswand

Silvester-Schäden: Apotheke unter Beschuss

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Berlin -

Silvester geht leider immer wieder auch mit großen Schäden einher – betroffen sind hiervon auch Apotheken. Besonders solche in zentraler Lage werden hin und wieder von Feuerwerkskörpern getroffen. In Teterow (Mecklenburg-Vorpommern) hat es in der vergangenen Silvesternacht die Rats-Apotheke von Inhaber Armin Noeske getroffen. Inzwischen ist es das dritte Mal, dass die zentral am Marktplatz gelegene Apotheke nach dem Jahreswechsel Schäden beklagen muss.

Im vergangenen Jahr erwischte es vor allem die Berliner Pommern-Apotheke – eine Kugelbombe und eine anschließende Plünderung verwüsteten die Apotheke und führten zu massiven Schäden. Ganz so schlimm sieht es bei Noeske zum Glück nicht aus. Ärgerlich ist der vielfache absichtliche Beschuss seiner Apotheke aber allemal – zumal ein Silvesterbeschuss hier bereits mehrfach für erhebliche Schäden sorgte: Beim Jahreswechsel 2017/18 hatte eine fehlgeleitete Rakete das Dach getroffen, hier konnte das schnelle Eingreifen der Feuerwehr schlimme Schäden verhindern. Wiederum zehn Jahre zuvor hatte ein Feuerwerkskörper das Gebäude allerdings in Brand gesteckt. Noeskes Vater, damals noch der Inhaber, musste umfänglich Schäden beheben.

Daraufhin verbarrikadierte der Inhaber lange die Apothekenschaufenster – bis zur Übergabe an den Sohn 2013. „Ich habe das nie gemacht, weil ich an die Vernunft der Leute appelliert hatte.“ Teterow ist eine Kleinstadt mit etwa 8400 Einwohner:innen, früher hätten sich auf dem Marktplatz häufig die Menschen zum gemeinsamen Feiern an Silvester getroffen, so der Inhaber. Seit mehreren Jahren mieden die meisten Menschen aber den Marktplatz, um nicht von Böllern getroffen zu werden.

Böller-Schäden an der Leuchtreklame der Rats-Apotheke in Teterow
Von der Leuchtreklame, die den Apothekennamen zeigt, wurde das „R“ zerschossen.Fotos: Rats-Apotheke Teterow

Zwischen 0 und 1 Uhr seien dieses Mal Leute auf dem Marktplatz gewesen, berichtet Noeske von Erzählungen eines Angestellten, der in einer Seitenstraße unterwegs war. Mehrere Gruppen hätten wild mit Feuerwerkskörpern um sich geschossen. „Es sieht für mich so aus, als ob gezielt die Apotheke beschossen wurde.“ Um 0.45 Uhr war dann die Polizei am Marktplatz, „da sind diese Chaoten schon weggelaufen“, so Noeske. Laut den Berichten seines Angestellten hatten etwa zehn Vermummte die Apotheke unter Beschuss genommen.

Regelrechter Beschuss der Apotheke

Am Neujahrsmorgen fuhr Noeske direkt zur Apotheke, um die Schäden zu dokumentieren und bei der Polizei anzuzeigen. Die Anzeige gegen Unbekannt ist raus, Hoffnung macht er sich hier keine. Auch auf dem Marktplatz selbst und an anderen Gebäuden seien bewusst Schäden verursacht worden. Diesmal habe er aber wenigstens keinen Notdienst gehabt – hier würden in Silvesternächten auch schon mal die Kund:innen zu Zielscheiben, eine Bedienung an der Notdienstklappe teils unmöglich.

Die Schäden an den Apothekenwänden seien mehr als „unschön“, sagt er: Von der Leuchtreklame, die den Apothekennamen zeigt, wurde das „R“ zerschossen, das über die Straße ragende Apotheken-A ist komplett zerstört, die Plastik-Ummantelung kaputt. Von den fünf Schaufensterscheiben hat es besonders eines erwischt: Über 22 verschiedene Brandflecken, die vermutlich jeweils von einem Feuerwerkskörper stammen, zählt der Inhaber auf der Scheibe. Risse sind zum Glück nicht entstanden, weshalb er hofft, die Schäden hier mit Abschleifen beheben zu können. An der Fassade kommen noch vielfältige Brandflecken hinzu.

Böller-Schäden am Schaufenster der Rats-Apotheke in Teterow
Eines der Schaufenster zählt ganze 22 Treffer, die anderen vier Schaufenster wurden ebenfalls beschossen.Foto: Rats-Apotheke Teterow

„Das ist nicht eine Rakete, die dagegen fliegt“, so der Inhaber über das umfangreiche Schadensbild. Er werde nun versuchen, die Schäden bei seiner Glasbruchversicherung einzureichen – ob diese auch zahlt, ist ungewiss. „Für die Leuchtreklamen kommen schnell 6000 Euro zusammen“, befürchtet er. Die Fassade könnte er streichen, um die Brandflecken zu überdecken. Dabei könnte er aber aufgrund der Denkmalschutzvorgaben vom Hundertsten ins Tausendste kommen. Am Ende könnte das gesamte Gebäude gestrichen werden müssen.

Schäden möglichst kostengünstig beheben

Böller-Schäden an der Leuchtreklame der Rats-Apotheke in Teterow
Das über die Straße ragende Leuchtschild wurde komplett zerschossen.Foto: Rats-Apotheke Teterow

Künftig die Apotheke zu Silvester wieder vernageln, wie es sein Vater als Vorsichtsmaßnahme machte, will er trotzdem nicht. Der Leuchtreklame helfe das nicht, „womöglich animiert das nur mehr“, so Noeske. Da das Apothekengebäude unter Denkmalschutz stehe, sei er zudem bei jeglichen Veränderungen eingeschränkt. Auch eine Videoüberwachung sei nicht möglich aufgrund des Standortes an einem öffentlichen Platz. „Da bleibt mir nichts anderes übrig als zu hoffen, dass da die Versicherung einspringt.“ Und notfalls nach der nächsten Silvesternacht wieder.

Noeske, der die Apotheke 2017 runderneuerte, wird also nur für die Reparatur der Leuchtreklame Geld in die Hand nehmen, weitere Ausgaben scheut er aktuell. „Bei der unstabilen Lage und der Ungewissheit, ob überhaupt noch Geld in die Apotheken fließt ...“ Wenn etwas kaputt gemacht würde, müsse das eben so bleiben, wenn an allen Ecken und Enden gespart werden müsse. „Dann ist das politisch gewollt.“

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