Rursee-Apotheke: Ausnahme für die Öffnung ab 9.30 Uhr | APOTHEKE ADHOC
PTA soll vertreten dürfen

Rursee-Apotheke: Ausnahme für die Öffnung ab 9.30 Uhr

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Berlin -

Die Hartnäckigkeit von Bodo Möller-Holtkamp, Inhaber der Rursee-Apotheke, hat sich gelohnt. In der dunklen Jahreszeit darf er eine halbe Stunde später öffnen. In Nideggen bei Düren war seine Partnerin auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen und verspätete sich so täglich um 14 Minuten, sodass sie nicht pünktlich um 9 Uhr aufsperren konnte. Dem Inhaber drohte die Schließung. Dem Antrag auf Änderung der Öffnungszeiten wurde nun stattgegeben: Allerdings nur bis Ende März.

Möller-Holtkamps knapp 80-jährige Partnerin ist aufgrund einer Sehschwäche in der dunklen Jahreszeit auf den Rurtalbus angewiesen, um zur Arbeit in die Apotheke zu fahren. Dort hält sie gemeinsam mit Möller-Holtkamp die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln in der einzigen Apotheke in Nideggen aufrecht.

Im vergangenen Jahr drohte dem Inhaber die Schließung: Die Apotheke konnte nicht pünktlich um 9 Uhr öffnen, da der Bus fahrplanmäßig erst 14 Minuten nach 9 Uhr eintrifft. Die zuständige Pharmazierätin kontrollierte regelmäßig, ob die Apotheke auch zur vorgeschriebenen Zeit öffnete: „Drei Minuten nach 9 Uhr klingelt bei uns das Telefon. Die Pharmazierätin prüft, ob jemand anwesend ist. Absurderweise zählt jede Minute.“

Befristet bis März

Auf Nachfrage zur Änderung der Öffnungszeiten bei der Apothekenkammer hatte man von einem „Zielkonflikt“ gesprochen, berichtete Möller-Holtkamp: Als Inhaber war er zur Öffnung um 9 Uhr angehalten. Man hatte ihm aber geraten, einen begründeten Antrag auf Ausnahme von der Allgemeinverfügung zu den Öffnungszeiten zu stellen – und ihm versprochen, alles im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten zu tun, um die Schließung zu verhindern. Dem Antrag wurde nun vorerst mit zeitlicher Befristung bis Ende März stattgegeben. Der Inhaber darf seine Apotheke 9.30 Uhr öffnen. „Sobald die dunkle Jahreszeit vorüber ist, wird sich Frau Wehr wieder ins Auto setzen, weil wir dann wieder regulär um 9 Uhr öffnen müssen.“

PTA darf nicht vertreten

Eine Vertretung für die beiden Approbierten konnte bisher nicht gefunden werden. Die einzige Angestellte ist zwar eine erfahrene PTA, aber auch sie darf nicht aushelfen. „Unsere PTA könnte uns sehr gut vertreten. Sie könnte kurze Zeit die Verantwortung übernehmen, aber da schiebt der Gesetzgeber den Riegel davor“, so Möller-Holtkamp. An dieser Grundfeste möchte die Kammer auch nicht rütteln und keinen Präzendenzfall schaffen. Die Sorge ist klar: Wenn eine PTA 14 Minuten vertreten kann, geht es vielleicht auch zwei Stunden – oder sogar dauerhaft, wenn ein Approbierter über Video-Konferenz zugeschaltet wird...

Apotheker Möller-Holtkamp will genau das prüfen lassen und schaltete einen Rechtsanwalt ein: „Wir möchten gerichtlich prüfen lassen, warum eine Vertretung durch eine fachkundige PTA nicht zulässig sein soll. Der Prozess dazu startet im März.“ Der Inhaber ist überzeugt, dass es zu einem landesweiten Apothekensterben kommen wird, wenn die Vertretungsregelung nicht endlich aufgeweicht wird: „Es herrscht eine große Knappheit an Approbierten. Wenigstens eine stundenweise Vertretung würde helfen.“

Trotz Sorglos-Paket kein Käufer

Seine Partnerin und der Apotheker teilen sich die Anwesenheit in den Apotheken, weil „partout keine Vertretung oder Käufer für die Rursee-Apotheke gefunden wird“. Die Öffnungszeiten hat der Inhaber dabei schon auf 30 Stunden eingekürzt. „Ich würde auch ein Rundum-Sorglos-Paket anbieten, “ so der Inhaber. Dieses Paket würde Möller-Holtkamp derart gestalten, dass ein möglicher Interessent innerhalb eines Jahres versuchen könne, sich vor Ort zu etablieren. Scheitert die Übernahme, würde er die Apotheke zurücknehmen: „Wir probieren wirklich alles, um die Schließung dieser Apotheke zu vermeiden, es findet sich trotzdem niemand.“

„Im Winter sind die Anwohner auf uns angewiesen"

Die Apotheke sei „renditenstark“ und versorge die Anwohner von Nideggen bei Düren im Aachener Raum schon sehr lange. Im Winter sei die Bevölkerung besonders auf die Apotheke angewiesen: „Die Menschen wohnen sozusagen auf dem Berg und müssten einen Weg von etwa 8 km auf sich nehmen, um eine andere Apotheke aufzusuchen. Das Problem ist, dass dieser Weg serpentinenartig in den nächsten Ort führt. Gerade im Winter werden die Straßen nicht zuverlässig geräumt, die Menschen haben dann keine andere Möglichkeit, um an Medikamente zu kommen.“

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