„Service hat Priorität“

Rezeptbox: Apotheker rettet kleinen Stadtteil

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Berlin -

In Kornhapen, einem Stadtteil von Bochum, hat Ende Dezember die letzte Apotheke geschlossen. Um die vorrangig ältere Bevölkerung trotzdem weiterhin komplikationslos mit Arzneimitteln versorgen zu können, stellte Apotheker Jens Beuth eine Rezept-Box auf: „Die Menschen können ihren Einkauf bei Rewe direkt mit dem Einwurf ihrer Verordnungen verbinden“, so der Inhaber der Farma-plus-Apotheke im Marktkauf in Gelsenkirchen. „Rein marktwirtschaftlich ist dieser Service noch nicht rentabel, aber es war mir ein Herzenswunsch, die Menschen dort nicht im Stich zu lassen.“

In Kornhapen lebe größtenteils die ältere Generation: „Die Bauten dort stammen noch aus den siebziger Jahren, wer damals dort hinzog, ist mittlerweile 70 bis 90 jahre alt“, so Beuth, der selbst eine zeitlang dort wohnte. Die bereits geschlossene Elbe-Apotheke betrieb er selbst etwa zehn Jahre: „Ich kenne viele Menschen dort, sie sind mir ans Herz gewachsen“, so der Apotheker. Seit Ende Dezember ist jedoch Schluss mit der Arzneimittelversorgung: „Ich wollte mir also etwas einfallen lassen, um die Menschen nicht im Stich zu lassen“, so Beuth.

Seit Anfang Januar steht deshalb vor einem Rewe-Einkaufsmarkt nun eine Sammelbox für Rezepte: „Wir haben diesen Servicepoint so gestaltet, dass für jeden etwas dabei ist“, so der Apotheker. Er bezieht sich dabei auf die verschiedenen Einlösewege von Medikamentenverordnungen: „Zunächst können die Menschen ihre Papierrezepte oder ausgedruckte Token in die Box werfen. Wer digital schon affiner ist, für den gibt es auch die Möglichkeit, per QR-Code eine Bestellung an uns zu schicken“, berichtet er. Auch Listen mit gewünschten OTC-Artikeln aus der Apotheke nehme er gern an.

Rein marktwirtschaftlich betrachtet lohne sich dieser kostenlose Service noch nicht: „Mir geht es aber vorrangig um die immobilen sowie älteren Patienten. Sie sind auf uns angewiesen, es ist nicht so einfach, mit dem Rollator in den Bus zu steigen und den Weg von über 15 Kilometer zur nächsten Apotheke aufzunehmen“, so der Inhaber. Mindestens einmal am Tag schaue er oder der Bote in den Kasten: „Ich kann das praktischer Weise mit meinem Arbeitsweg verbinden.“ Dabei betont er: „Für mich ist das kein Zusatzgeschäft, aber die Menschen dort sind dankbar.“

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