Das neue Jahr beginnt und wieder haben es zahlreiche Apotheken nicht in den Januar geschafft. Die Gründe sind vielfältig – oft spielt der fehlende Ertrag die Hauptrolle. Auch Holger Thomas trennte sich Ende des Jahres von einem Betrieb. Die höheren Mietkosten wurden dem Standort zum Verhängnis.
Seit Januar steht die Farma-Plus-Apotheke Britz in Berlin leer. „Alle Mitarbeitenden sind in andere Tätigkeiten übergegangen und der Inhaber konzentriert sich künftig auf die verbleibende Apotheke in einem Nahversorgungszentrum“, sagt Sebastian Liebhart, Geschäftsführer der Systemzentrale. Seit 2009 firmierte der Standort unter der Marke Farma-Plus. Jetzt betreibt Thomas noch eine weitere Apotheke im brandenburgischen Rangsdorf, die ebenfalls zur bayerischen Kooperation mit rund 30 Mitgliedsapotheken gehört.
In den knapp 20 Jahren etablierte sich die Apotheke im Berliner Bezirk Neukölln. Grund für die Schließung sei nicht eine nachlassende Frequenz gewesen: „Emotional ist es sehr schade, dass die Apotheke geschlossen hat. Sie war ein verlässlicher Anlaufpunkt für tausende Kunden aus der Nachbarschaft und hat ihnen täglich schnell, kompetent und zuverlässig geholfen“, so Liebhart.
Allerdings musste der Standort in 2025 neu bewertet werden. „Die Entscheidung zur Schließung beruht auf einer Kombination struktureller und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, wie sie zunehmend viele Apotheken in Deutschland betreffen“, sagt Liebhart. Konkret sei es um den auslaufenden Mietvertrag gegangen. „Eine deutliche Mietanpassung stand im Raum, die wirtschaftlich nicht tragbar gewesen wäre.“
Angesichts gestiegener Mietforderungen und einer sich verändernden ärztlichen Infrastruktur in der unmittelbaren Umgebung sei „keine tragfähige Perspektive“ mehr gegeben gewesen. Hinzu kommt: Ein Mietvertrag für Apotheken ist auf Langfristigkeit angelegt und läuft nicht selten zehn Jahre. Im Fall von Thomas sei aber in einer benachbarten Praxis die Nachfolgeregelung unklar gewesen.
Gleichzeitig stiegen die Personalkosten kontinuierlich. „Insbesondere die im Koalitionsvertrag angekündigte, aber weiterhin ausstehende Erhöhung des Fixhonorars für Apothekenleistungen ist ein Faktor, der die wirtschaftliche Perspektive für viele Standorte zusätzlich erschwert.“ Unter diesen Voraussetzungen habe man den Mietvertrag zu den neuen Bedingungen nicht verlängern können. „Eine Fortführung der Apotheke in diesem Mietobjekt war daher nicht mehr möglich.“
Besonders schade ist die Schließung laut Liebhart für die vielen treuen Kundinnen und Kunden in Berlin-Neukölln, die sich nun neu orientieren müssten. „Die emotionale Verbundenheit war in den letzten Tagen der Apotheke deutlich zu spüren. Viele Menschen kamen persönlich vorbei, bedankten sich für die langjährige Betreuung und brachten sogar kleine Abschiedsgeschenke mit. Das zeigt, welche wichtige Rolle Apotheken vor Ort für die Menschen spielen.“