Die Zahl der Frauen, bei denen die Krankheit Endometriose diagnostiziert wurde, ist in Norddeutschland in den vergangenen 20 Jahren deutlich gestiegen. Das zeigt eine Analyse der Krankenkasse Barmer, die auf anonymen Abrechnungsdaten ihrer Versicherten zwischen 2005 und 2024 basiert.
In Hamburg hat sich die Zahl der Frauen mit Endometriose-Diagnosen demnach von rund 2500 im Jahr 2005 auf mehr als 13.800 im Jahr 2024 mehr als verfünffacht. In Niedersachsen stieg die Zahl von rund 22.000 auf gut 50.000, in Mecklenburg-Vorpommern von rund 3500 auf mehr als 8800, in Bremen von knapp 2300 auf etwa 3900. In Schleswig-Holstein hat sich die Zahl mehr als verdreifacht – von etwa 5000 auf rund 17.000.
„Die Entwicklungen zeigen, dass Endometriose inzwischen bekannter ist und Beschwerden schneller ernst genommen werden“, sagte Anneke Riehl, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Schleswig-Holstein. Wichtig sei aber auch, dass sich die Behandlung an der Lebenssituation der Betroffenen orientiere, etwa der Familienplanung, Mobilität oder psychischen Gesundheit.
Frauen mit Endometriose leiden laut Barmer häufiger unter Begleiterkrankungen, als es ihrem Alter entsprechend zu erwarten wäre. So seien Bauch- und Beckenschmerzen mehr als doppelt so oft dokumentiert worden, aber auch Migräne, Muskel-Skelett-Erkrankungen, depressive Episoden und Angststörungen träten häufiger auf.
Der Krankenkasse zufolge gibt es bei den Diagnosen zudem regionale Unterschiede: Endometriose wird demnach häufiger in dicht besiedelten als in ländlichen Regionen diagnostiziert. Das zeige, dass noch weitere Aufklärungsarbeit erforderlich sei, sagte Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen und Bremen. „Wir gehen davon aus, dass viele Frauen ihre Beschwerden für starke Regelschmerzen halten und deshalb nicht frühzeitig ärztliche Hilfe suchen“, sagte sie.
Bei einer Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut sehr ähnlich ist, außerhalb der Gebärmutterhöhle. Nachgewiesen wird es häufig am Bauchfell, an den Eierstöcken oder am Darm.
Das Hauptsymptom sind Unterleibsschmerzen, die oft zusammen mit der Regelblutung sowie während oder nach dem Geschlechtsverkehr auftreten. Endometriose kann sich auch negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken. Eine erhöhte Sterblichkeit gehe mit der Erkrankung jedoch nicht einher, erklärte die Barmer mit Verweis auf ihre Auswertung.
Die Behandlung hängt den Angaben zufolge stark von Beschwerden, Alter, Kinderwunsch und Ausbreitung ab. Möglich seien eine medikamentöse Schmerztherapie, eine Hormontherapie, um den Zyklus oder Eisprung zu unterdrücken, oder Operationen zur Entfernung des Gewebes.
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