Klaus Meyer-Gasters

Vom Gerichts- zum Apothekenmaler

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Wiesbaden -

Seit 54 Jahren bebildert er Apothekenkalender mit Aquarellzeichnungen von Tieren und Pflanzen: Der Künstler Klaus Meyer-Gasters feiert seinen 90. Geburtstag. Die als Werbegeschenk von Apotheken abgegebenen Kalender haben ihn deutschlandweit bekannt gemacht und eine treue Fangemeinde beschert.

Über die kostenlos verteilten Aquarellkalender fanden die Werke von Meyer-Gasters den Weg in viele deutsche Haushalte und wurden zu Sammlerstücken. Unter den Apothekenkunden finden sich Anhänger, die den Kalender seit der ersten Ausgabe kennen und jeden Dezember in ihrer Apotheke danach fragten, berichtet die Enkeltochter des Künstlers, Jana Vilzmann.

„Die Kalendermotive haben viele Apothekenkunden selbst zum Malen inspiriert“, so Vilzmann. Die Bilder der Kalender würden zur Übung nachgezeichnet. Wenn der Kalender von Meyer-Gasters nicht verfügbar sei, hätten Fans des Künstlers auch schon die Apotheke gewechselt.

Der Maler wurde 1925 in Ludwigshafen am Rhein geboren und zog 13 Jahre später mit seiner Familie nach Frankfurt am Main. Bereits während seiner Schulzeit zeichnete er leidenschaftlich gern und verdiente damit auch sein erstes Geld: Er verkaufte Karikaturen der Lehrer und Porträts der Klassenkameraden an seine Mitschüler.

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er sein Hobby zum Beruf; zunächst vor allem als Zeichner für die Frankfurter Neue Presse. Er begleitete dabei auch die Kriegsprozesse in Nürnberg. Während dieser Zeit besuchte er außerdem je ein Semester Kunsthochschulen in Frankfurt sowie Düsseldorf. Doch diese Art der Ausbildung schien für ihn nicht das Richtige zu sein.

Ab 1949 arbeitete Meyer-Gasters als freischaffender Künstler. Neben Aufträgen von Privatkunden erhielt er auch Anfragen aus der Industrie. So arbeitete er an der Werkzeitschrift des BASF mit. Zugleich war er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung als freier Mitarbeiter tätig; er fertigte Theaterskizzen und die wöchentlich erscheinenden Porträts „Frankfurter Gesichter“ an.

1959 ließ Meyer-Gasters im Weisbecker-Verlag seines Schwiegervaters seinen ersten Aquarellkalender drucken. Dieser erfreute sich großer Beliebtheit und verschaffte dem Künstler einen Auftrag, der ihn unter einer noch breiteren Zielgruppe bekannt machen sollte: Der hessische Generika-Hersteller Stada war auf den Künstler aufmerksam geworden. Das Unternehmen verpflichtete ihn im Jahr 1961, einen Werbekalender mit Aquarellzeichnungen von Heilpflanzen zu bebildern, der in Apotheken verteilt werden sollte.

Meyer-Gasters erhielt für die Zusammenarbeit mit Stada einen Lohn von zwei Pfennig pro vertriebenen Kalender. „Meine Freunde lachten mich aus und waren der Annahme, ich würde mich übers Ohr hauen lassen“, sagt Meyer-Gasters rückblickend. Doch der Kalender war überraschend erfolgreich. Bereits die erste Ausgabe erschien in einer Auflage von 500.000 Exemplaren – und brachte dem Künstler damit 10.000 D-Mark ein.

Die Auflage des Stada-Kalenders stieg von Jahr zu Jahr, Ende der 1960er Jahre lag sie bei drei Millionen Exemplaren, was Meyer-Gasters zum damaligen Weltmarktführer im Kalenderbereich machte. „Der Stada wurde ich dann auf Dauer zu teuer“, so der Künstler. Als sich das Unternehmen nach einem Nachfolger für ihn umsah, beendete er die Zusammenarbeit nach etwa zehn Jahren.

1975 nahm Meyer-Gasters das Geschäft mit dem Apothekenkalender wieder auf. Seitdem druckt er im familiengeführten Eigenverlag seinen Aquarellkalender, in dem seitdem auch Tiermotive abgebildet wurden. Damit stand er in direkter Konkurrenz zu Stada, jedoch verkaufte er seinen Kalender ohne Produktwerbung, was viele Apotheker ansprach. Bereits im ersten Jahr erreichte sein Apothekenkalender eine Auflage von 1,5 Millionen. Der Kalender von 2016 kann zu etwa 90 Cent pro Stück vom Künstler bezogen werden.

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