Kinderärzte: Bitte nicht die Praxen stürmen! | APOTHEKE ADHOC
Praxen regelrecht überrannt

Kinderärzte: Bitte nicht die Praxen stürmen!

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Berlin -

Die Kinder- und Jugendärzte sind durch die Infektwelle aktuell hoch belastet. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg appellieren an die Eltern, nur in dringenden Fällen in die Praxis zu kommen.

„Der Andrang ist nicht mehr zu schaffen, die Praxen werden regelrecht überrannt“, berichtet der Vorsitzende des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte in Baden-Württemberg, Dr. Roland Freßle aus Freiburg. Viele Infektionen bräuchten aber keine ärztliche Therapie: „In aller Regel bedürfen die Kinder, die aktuell von einem Infekt betroffen sind, keine medizinische Hilfe. Einen Corona-Schnelltest können die Eltern zu Hause machen. Und dann reichen die üblichen Maßnahmen bei Erkältungen und Atemwegsinfekten aus: Schonung, gegebenenfalls Nasenspray, viel trinken.“

Laut dem KV-Vorsitzenden Dr. Norbert Metke verschärft sich Lage durch den Ärztemangel noch zusätzlich. „Wir haben sowieso schon Engpässe in der Versorgung, das stellt nun noch einmal eine zusätzliche Belastung dar.“

Sein Vize Dr. Johannes Fechner verweist darauf, dass Eltern nur in bestimmten Fällen ein ärztliches Attest für die Schule oder die Kita benötigen. „Hier gibt es klare gesetzliche Regeln. Danach müssen Eltern ein Attest erst dann vorlegen, wenn das Kind mehr als zehn Tage nicht die Schule gehen kann. Bei Kitas gibt es überhaupt keine gesetzliche Pflicht für ein Attest, der Kitabesuch ist schließlich freiwillig. Leider wird uns häufig berichtet, dass viele Schulen und Kitas davon abweichen. Das ist nicht zulässig und belastet die ohnehin knappen Kapazitäten in den Praxen, die aktuell dringend anders benötigt werden.“

Aus Sicht von Freßle sollten auch Toleranzgrenzen für Vorsorgeuntersuchen (U-Untersuchungen) aktuell ausgesetzt werden. Denn nach den aktuellen Regelungen muss eine U-Untersuchung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes erfolgen. „Natürlich wollen wir nicht die Prävention gegen die Notfallversorgung ausspielen, langfristig sprechen wir uns nicht dafür aus. Zumal wir damit rechnen müssen, dass die Nachholung zu einem späteren Zeitpunkt dann geballt kommt. Aber es ist medizinisch vertretbar angesichts der derzeitigen Lage.“ Fechner erläuterte, dass dafür auf Bundeseben die formalen Voraussetzungen geschaffen werden müssten. „Wir sind hier auf Bundeseben aktiv, um schnell die Voraussetzungen dafür zu schaffen.“

Volle Praxen, kranke Mitarbeiter

Wegen einer hohen Zahl an Krankheitsfällen arbeiten viele Arztpraxen auch in Schleswig-Holstein derzeit am Limit. „Die schwere Infektionswelle sorgt für volle Praxen, aber auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind erkrankt“, sagte ein Sprecher
der Kassenärztliche Vereinigung (KVSH). Patientinnen und Patienten müssten sich auf längere Wartezeiten und verschobene Routine-Untersuchungen einrichten.

„Um Praxen zu entlasten, sollten Patienten die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung nutzen“, sagte der Sprecher.
Telefonische Krankschreibungen bei leichten Atemwegserkrankungen seien weiterhin für bis zu sieben Tage möglich. Telefonisch könne eine einmalige Verlängerung der Krankschreibung für weitere sieben Kalendertage ausgestellt werden.

Um die Krankenhäuser zu entlasten, bat die KVSH niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zudem, nur medizinisch höchst dringliche Fälle in Kliniken einzuweisen. Die Lage in den Krankenhäusern sei angespannt, sagte der Geschäftsführer der Landes-Krankenhausgesellschaft, Patrick Reimund. Besonders kritisch sei die Situation in den Regionen der Westküste. Grund seien viele Patienten mit Atemwegserkrankungen, darunter auch Corona, und ein deutlich erhöhter Personalausfall ebenfalls wegen wegen Atemwegserkrankungen

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