Impfstoffe aus Kuba: Erfolgreich ohne WHO-Zulassung?

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Berlin -

Als viertes Land Lateinamerikas hat Mexiko einen der in Kuba entwickelten Impfstoffe gegen das Coronavirus zugelassen. Die zuständige Behörde teilte mit, sie habe dem Vakzin Abdala, das bisher nicht von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannt ist, eine Notfallzulassung erteilt. Es erfülle die Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit. Was ist über die Impfstoffe aus Kuba bekannt? Ein Überblick.

Kuba hat bereits frühzeitig auf die Entwicklung eigener Vakzine gegen Covid-19 gesetzt. Bislang wurden in dem karibischen Land fünf verschiedene Impfstoffe entwickelt: Abdala, Soberana 1, Soberana 2, Soberana Plus und Mambisa. Die Impfstoffe wurden bereits in verschiedenen anderen Ländern zugelassen: Unter anderem im Iran, in Vietnam, Venezuela und Nicaragua. In Mexico ist Abdala bereits der zehnte zugelassene Impfstoff – und der erste in Lateinamerika entwickelte. Knapp 90 Prozent der Bevölkerung sind nach offiziellen Angaben mit den einheimischen Präparaten geimpft.

Impfstoffe aus Kuba: Ein Überblick

Beim kubanischen Impfstoff Abdala – welcher der Nachfolger von Mambisa darstellt – handelt es sich um einen Untereinheitenimpfstoff, welcher Teile des Spikeproteins von Sars-CoV-2 enthält. Um die Wirkung zu verstärken, wurde Aluminiumhydroxid zugesetzt. Vorbild war ein in Kuba entwickelter Hepatitis-B-Impfstoff. Die beiden Impfstoffe Soberana 2 und Soberana Plus sind Konjugatimpfstoffe ohne Adjuvans. In Kuba wurden dank der eigenen Vakzine mehr als 80 Prozent der Bevölkerung innerhalb weniger Monate vollständig geimpft. In dem lateinamerikanischen Land erhalten bereits Kinder ab einem Alter von zwei Jahren die Impfungen.

Studien zufolge soll Abdala eine Wirksamkeit von rund 92 Prozent aufweisen. Wissenschaftliche Daten zu den Impfstoffen waren allerdings lange Zeit dünn und öffentlich nur schwer zu finden. Vor einigen Wochen wurden dann die Daten der Phase-III-Studie zu Soberana und Soberana Plus vorgestellt.

Rund 42.500 Erwachsene wurden in die Untersuchung eingeschlossen und auf drei Gruppen randomisiert:

  • Gruppe 1: Zwei Dosen Soberana 2 im Abstand von 28 Tagen
  • Gruppe 2: Zwei Dosen Soberana 2 im Abstand von 28 Tagen + dritte Dosis mit Soberana Plus
  • Gruppe 3: Placebo

Booster verstärkt Wirksamkeit

Verglichen mit der Placebogruppe konnte für die beiden Dosen Soberana 2 eine Impfstoffwirksamkeit von 71 Prozent ausgemacht werden. Damit wäre das Vakzin ähnlich wirksam wie die Vektorbasierten Impfstoffe von AstraZeneca und Janssen. Durch den Booster mit Soberana Plus sei die Wirksamkeit nochmals deutlich angestiegen: Mit einem Schutz von 92,4 Prozent liegt sie ähnlich hoch wie die der mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Die Verträglichkeit der Konjugatimpfstoffe war besonders gut: Unter lokalen Reaktionen an der Einstichstelle litten nur 7,7 (1. Dosis) beziehungsweise 1,9 (2. Dosis) und 0,3 Prozent (Booster). Systemische Reaktionen waren mit 2,0 sowie 0,8 und 0,1 Prozent ebenfalls selten. In den meisten dieser Fälle kam es zu Allgemeinsymptomen – jedoch ohne Fieber.

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