Welche Aufgaben könnten Pflegefachkräfte zukünftig übernehmen, um die hausärztliche Versorgung nachhaltig zu entlasten? Mit dieser Frage beschäftigt sich aktuell das Innovationsfondsprojekt Prima der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Eine von 20 teilnehmenden Hausarztpraxen berichtete über die Erfahrungen mit diesem Modell.
In der Hausarztpraxis Schalhorn in Birenbach im Landkreis Göppingen ist nun eine examinierte Pflegefachkraft fest in das Praxisteam integriert. Anette Burkart übernehmt dort unter anderem die Betreuung chronisch kranker Patientinnen und Patienten, führt Haus- und Heimbesuche durch und unterstützt bei der Wundversorgung, dem Medikationsmanagement sowie der Koordination von Hilfsmitteln.
Insgesamt betreut Burkart mit einem Stellenumfang von 30 Wochenstunden rund 120 chronisch erkrankte Patientinnen und Patienten. Viele davon sind in Disease-Management-Programme (DMP) eingeschrieben.
Das Feedback der Hausärztin Friederike Kugler ist positiv. Sie sei glücklich über diese Verstärkung und sehe darin einen zentralen Baustein moderner Primärversorgung: „Der Einsatz einer Pflegefachkraft erweitert das Versorgungsspektrum unserer Praxis erheblich. Sie übernimmt zeitintensive Aufgaben, bietet eine eigene Sprechstunde an und hat mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten. Für mich entstehen dadurch Freiräume für andere medizinische Aufgaben.“
Bis Mitte 2027 solle über Prima die Beschäftigung von Pflegefachkräften in 20 Hausarztpraxen in Baden-Württemberg gefördert werden. Diese verfügten im Gegensatz zur Nichtärztlichen Praxisassistentin (NäPa) über ein eigenständiges professionelles Qualifikations- und Erfahrungsprofil; sie seien beispielsweise examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen oder Altenpflegerinnen.
„Ziel des von der KVBW geleiteten Innovationsfondsprojekts Prima ist es, in hausärztlichen Praxen angesichts steigender Patientenzahlen und begrenzter ärztlicher Ressourcen neue Versorgungsmodelle zu erproben“, erklärt KVBW-Vorständin Dr. Doris Reinhardt. Neben der finanziellen Förderung unterstütze Prima die teilnehmenden Praxen auch mit Schulungen, Workshops, Qualitätszirkeln und Netzwerktreffen.
„Das Beispiel aus Birenbach verdeutlicht das Potenzial des Projekts Prima. Es schafft die notwendigen finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen, um den Einsatz von Pflegefachkräften in Hausarztpraxen zu erproben und wissenschaftlich zu evaluieren“, betont KVBW-Vorstand Dr. Karsten Braun.
Auch die Patientinnen und Patienten profitierten von den neuen Strukturen. Nach anfänglicher Zurückhaltung werde das Angebot der Pflegefachkraft in Birenbach sehr gut angenommen. „Die Patientinnen und Patienten merken schnell, dass sie hervorragend betreut werden“, so Kugler.
Praxismanagerin Sabine Seidl ergänzt: „Wir können den Patientinnen und Patienten mehr Unterstützung anbieten. Das fühlt sich gut an und entlastet das gesamte Team. Wir möchten auf diese Form der Zusammenarbeit nicht mehr verzichten.“
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