Zwischenfall in Reaktor

Garching: Austritt von radioaktivem C-14 dpa/APOTHEKE ADHOC, 16.05.2020 17:09 Uhr



Die Meldung sei nach der atomrechtlichen Meldeverordnung in die „Kategorie E“ als eilbedürftig eingestuft worden, habe aber nach der internationalen Bewertungsskala (INES) die Stufe 0, das stehe für keine oder eine sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung. Die Emissionen fanden bereits vom 20. bis 26. März sowie vom 2. bis 7. April statt. Im April sei der erhöhte Wert aus dem ersten Quartal bei der routinemäßigen Überprüfung durch das Bundesamt für Strahlenschutz und das eigene Labor des FRM II aufgefallen. Der Wert habe noch unter dem in der Betriebsgenehmigung festgelegten Grenzwert gelegen, dennoch sei auf eine monatliche Auswertung umgestellt worden. Am Donnerstag habe die Gesamtauswertung dann den überhöhten Wert erbracht. Aus Wetterdaten der Tage mit C-14-Emissionen sei berechnet worden, dass der Niederschlag auf dem Betriebsgelände des FRM II oder in unmittelbarer Umgebung stattgefunden haben müsse.

Das C-14, das etwa in der Archäologie zur Altersbestimmung organischer Materialien benutzt wird, hat laut Görg eine Halbwertzeit von 5730 Jahren. Am FRM II entsteht es in Form von Kohlendioxid bei einer Kernreaktion im Reaktorbecken, das auch beim Stillstand des Reaktors gefüllt ist. Der Vorfall ereignete sich bei der routinemäßigen Reinigung des dortigen sogenannten Schweren Wassers. Dabei wird das C-14 über Ionenaustauscherharze gebunden, die dann getrocknet werden müssen. Ein individueller Fehler bei der Montage der Trocknungseinrichtung habe die Ableitung des C-14 verursacht. Nach der Überschreitung der Werte seien alle Trocknungsvorgänge unverzüglich eingestellt worden. Bereits 2012 war bei dem Vorgang C-14 frei geworden, allerdings unter dem Grenzwert. Schon damals sei das Verfahren verbessert worden, sagte Sprecherin Görg.

Wiederanfahren des Reaktors umstritten

Viele Wissenschaftler warteten derzeit dringend auf das Wiederanfahren des FRM II, der als eine der leistungsstärksten Neutronenquellen weltweit auch für die Industrie und die Medizin bedeutsam ist, sagte Görg. Es gebe auch schon Anfragen für Forschungsprojekte zum Coronavirus. Der FRM II ist wegen der Nutzung von hochangereichertem Uran umstritten. Atomgegner, Umweltschützer und Grüne kritisieren dies seit langem und forderten die Abschaltung, da dies der Betriebsgenehmigung von 2003 widerspreche. Sie sprechen von waffenfähigem Material. Derzeit gibt es Fortschritte bei der Suche nach einem neuen, niedriger angereicherten Brennstoff. Wegen der Einleitung von potenziell schwach radioaktivem Wasser in die Isar hatte es im vergangenen Jahr Bürgerproteste und Einwendungen gegeben, die in einem Anhörungsverfahren mit Umweltschützern, Anwohnern und Behörden erörtert wurden. Es seien aber keine Klagen eingereicht worden, die Frist sei inzwischen abgelaufen, sagte Görg.

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