Strahlenschutz

Belgische Apotheken verteilen Jodtabletten APOTHEKE ADHOC, 07.03.2018 09:56 Uhr

Berlin - In allen belgischen Apotheken sind seit Dienstag kostenlos Jodtabletten erhältlich. Sie sollen bei einem Atomunfall mit freigesetzter Radioaktivität zur Vorbeugung von Schilddrüsenkrebs eingenommen werden. Der belgische Apothekerverband beteiligt sich aktiv an der Aktion der Regierung.

Die Apotheken halten die Jod-Tabletten in 10er-Packungen bereit. Auf Wunsch erklären die Mitarbeiter, wie die Tabletten eingenommen werden und weiter verteilt werden können. Empfohlen werden sie allen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, schwangeren Frauen und Müttern, die ihren Neugeborenen die Brust geben, sowie allen, die Verantwortung für Kindergärten, Schulen und öffentlichen Einrichtungen tragen. Nötig seien sie aber erst im Ernstfall, eine Bevorratung nicht dringend erforderlich, so ein Sprecher des Apothekerverbands. Bislang hielt sich der Andrang noch in engen Grenzen, berichtet der flämische Fernsehsender VRT.

Flankierend dazu hat die Bundesregierung eine Infokampagne zu den Risiken von Störfällen in Atomkraftwerken aufgelegt. Die Gesetzeslage sieht vor, dass Jodtabletten überall in einem Radius von 100 Kilometer rund um eine nukleare Einrichtung vorrätig sein müssen. Davon ist praktisch ganz Belgien betroffen. Nur die wallonische Kleinstadt Antoing an der französischen Grenze hat weder einen belgischen noch einen französischen AKW in entsprechender Entfernung.

Die landesweite Verteilung ist laut belgischer Regierung eine Konsequenz aus dem Super-GAU im japanischen Fukushima 2011. Von einem erhöhten Risiko in den fünf belgischen Nuklearanlagen war in der Verlautbarung nicht die Rede. Dabei gelten gerade die Meiler in Doel bei Antwerpen und im etwa 70 Kilometer von Aachen entfernten Tihange als besonders störanfällig. Zeitweise wurden hier einzelne Blöcke vom Netz genommen. Derzeit sind mehrere zivilrechtliche Klagen auf Stilllegung gegen Tihange anhängig, denen unter anderem die Landesregierungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz beigetreten sind.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte