Einsamkeit macht krank – Politik gefordert

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Auch Diakonie-Präsident Ulrich Lilie forderte mehr politisches und gesellschaftliches Engagement gegen Einsamkeit. „Wir brauchen ein Bündnis aus Politik und gesellschaftlichen Gruppen, wie Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Sportvereinen und kulturellen Einrichtungen“, sagte Lilie den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). Einsamkeit sei ein Querschnittsproblem in der Gesellschaft, über das zu wenig geredet werde. Sowohl in Städten als auch auf dem Land wachse die Zahl von Menschen, die sich einsam fühlten. „Einsame Leute wieder in die Gesellschaft zu holen, ist eine Aufgabe, die man nicht einfach kommerziellen Anbietern wie Facebook oder Partnerschaftsbörsen überlassen darf.“

Lilie sagte, Politik müsse mehr tun, um Einsamkeit vorzubeugen. „Armut und Vereinsamung hängen ganz klar zusammen.“ So habe in Berlin mehr als die Hälfte der Bewohner Angst, ihre Miete nicht mehr zahlen zu können und deswegen ihre vertraute Umgebung verlassen zu müssen. „Da finden Verdrängungswettbewerbe statt, bei denen wir nicht einfach zugucken können.“ Einsamkeit könne auch in politischem Frust resultieren. „Die Leute melden sich dann auch politisch, indem sie Parteien wählen, von denen man sich nicht wünscht, dass sie größer werden“, sagte er.

Der Präsident des Sozialverbands SoVD, Adolf Bauer, sagte der Bild-Zeitung, oft wüssten die Betroffenen einfach nicht mehr weiter. „Damit sich das ändert, muss die Bundesregierung das Thema Einsamkeit auf die Agenda setzen.“

Eine Studie von Psychologie-Professorin Maike Luhmann von der Ruhr-Universität Bochum ergab, dass sich in Deutschland jeder Fünfte über 85 einsam fühlt, wie die Zeitung berichtete. Bei den 45- bis 65-Jährigen sei es jeder Siebte. Luhmann sagte: „Es gibt keine Altersgruppe, in der sich Menschen nicht einsam fühlen.“ Besonders ältere, kranke Menschen, die kaum noch ihr Haus verlassen könnten, seien betroffen. „Ein Teufelskreis, denn soziale Isolation kann Krankheiten wie Depression oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen.“

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