Wegen Verschiebung des E-Rezepts

Zur Rose: Rekordverlust und Horroraussichten

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Berlin -

Zur Rose hat im vergangenen Jahr mit einem Rekordverlust abgeschlossen. Und die Prognose für das laufende Jahr sieht ebenfalls düster aus. Zwar hofft der DocMorris-Mutterkonzern inständig, dass das E-Rezept noch 2022 eingeführt wird. Vorerst muss das Management jedoch ohne entsprechende Erlöse kalkulieren. Derweil laufen die Kosten weiter, weil man startbereit sein will. Und so wird erneut mit hohen Verlusten gerechnet – und der geplante Break Even um ein Jahr nach hinten auf 2024 verschoben.

Erstmals konnte Zur Rose 2021 mehr als 2 Milliarden Schweizer Franken an Erlösen vermelden, wobei der tatsächliche Umsatz bei 1,7 Milliarden Franken lag. Der Rest entfällt auf Versandhandelsaktivitäten in Deutschland, die noch nicht konsolidiert werden. Das entspricht einem Wachstum um 15,5 beziehungsweise 16,7 Prozent – im Herbst hatte das Management die Prognose kürzen müssen. In Deutschland lag das Wachstum bei 19 Prozent, hier hatte sich vor allem das Rx-Geschäft rückläufig entwickelt.

Dramatisch sieht es auf der Ertragsseite aus. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 225,7 Millionen Schweizer Franken, das sind umgerechnet rund 220 Millionen Euro. Jeder Euro Umsatz kostete den DocMorris-Mutterkonzern also rein rechnerisch 11 Cent. Oder: Pro Werktag wurden fast 900.000 Euro verbrannt. Umso erstaunlicher, dass der Vorstand von einem „Ergebnis im Rahmen der Erwartungen“ spricht.

Alleine die Marktingaufwendungen stiegen wegen der im Februar 2021 gelaunchten Kampagne „Das neue Gesund“ im Vergleich zum Vorjahr um rund 60 Millionen Franken: Der Werbe- und Akquisitionsaufwand verdoppelt sich damit auf 199 Millionen Franken. „Aufgrund des pandemiebedingt stagnierenden OTC-Marktes fielen die Wachstumskosten höher aus, was sich auf die Marge und die Marketingquote auswirkte.“

Auch wenn Zur Rose traditionell keine Gewinne macht, haben insbesondere die Vorbereitungen auf das E-Rezept die Gruppe tief in die Verlustzone geführt. Bereits 2020 stand unter dem Strich ein Minus von 135,6 Millionen Franken. Und im laufenden Jahr soll es nicht viel besser werden.

Düstere Aussichten

Das Management von Zur Rose ist überzeugt, dass „das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten auf der Basis des elektronischen Rezepts (eRx) in Deutschland noch im Jahr 2022 anlaufen wird“. Da aber noch kein Zeitpunkt bestätigt sei, wird in der Prognose für das laufende Jahr dieser Bereich ausgeklammert. Gleichzeitig werden die „Investitionen in Technologie und Aufrechterhaltung der eRx-Startposition“ fortgesetzt, sodass die Prognose entsprechend düster aussieht:

  • Ein Umsatzwachstum wird nicht erwartet: „Auf Gruppenstufe liegt der Fokus kurzfristig auf der Hebung von Synergien und der Profitabilität, womit der Außenumsatz gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich unverändert bleiben wird.“
  • Eine Ausnahme gibt es: „Für die Kernmarke DocMorris wird ein zweistelliges Wachstum für nichtrezeptpflichtige Produkte angestrebt.“
  • Auf der Ertragsseite wird mit hohen Verlusten gerechnet: „Das Management peilt für 2022 ein bereinigtes Ebitda von minus 75 Millionen bis minus 95 Millionen Franken an.“ Zum Vergleich: 2021 hatte das bereinigte Ebitda bei 129 Millionen Franken gelegen.
  • Auch der Ausblick für die Folgejahre wird angepasst: „Infolge der eRx-Verzögerung wird der Break-even auf Stufe Ebitda im Jahr 2024 erwartet.“ Den Aktionären wird versprochen, dass dies unabhängig von der Einführung des E-Rezepts gelingen kann, etwa durch verbesserte Margen und weniger Marketingausgaben. „Die Gruppe bestätigt die mittelfristige Ebitda-Zielmarge von rund 8 Prozent.“

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