Versandapotheken

Apobank verpatzt DIA-Übernahme

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Berlin -

Tobias Loder ist ab Januar neuer Chef der Deutschen Internet Apotheke (DIA). Er übernimmt die Versandapotheke von Philipp Heift, der sich künftig voll auf sein Musikgeschäft konzentrieren wird. Der Verkauf war von langer Hand geplant, trotzdem hatte Loder mit der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) mehr Ärger als erwartet. Schließlich wechselte der Apotheker entnervt die Bank.

DIA ist die Versandapotheke der Martinus-Apotheke in Erftstadt bei Köln. Diese wird als Vor-Ort-Apotheke auch künftig von Christine Heift geführt werden, Loder übernimmt nur das Versandgeschäft von dem Apothekerehepaar. Mit einem Jahresumsatz von 32 Millionen Euro und mehr als einer Million Kunden zählt sich DIA zu den größten Versandapotheken des Landes. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Übergabe ist seit langem beschlossene Sache, Loder hat seit dem Sommer sogar schon ein Büro bei DIA, um sich einzuarbeiten. Auch mit der Apobank war der Apotheker frühzeitig im Gespräch. Im Grunde sei man sich über die Finanzierung auch einig gewesen, berichtet Loder.

Doch ganz zum Schluss habe die Kölner Geschäftsstelle der Genossenschaftsbank noch eine Bürgschaft seiner Frau über 50.000 Euro sowie eine Grundschuld auf sein Haus gefordert. Loder lehnte dies ab, die Kreditabteilung habe aber auf mehrfache Nachfrage darauf bestanden.

„Mir wurde gesagt, es gehe um eine 'moralische Verpflichtung' meiner Frau“, so Loder. Wenn diese nicht an die Investition glaube, warum solle es dann die Bank tun, so das Argument. „Ich weiß wirklich nicht, wozu es dann eine Kreditabteilung bei der Apobank gibt“, so Loder.

Mehr als vier Monate hätten sich die Gespräche mit der Bank hingezogen, berichtet der Apotheker. Dann hatte er genug und kündigte. Er sprach bei der Hypo-Vereinsbank vor und bekam die Finanzierungszusage nach acht Tagen.

Doch dann kam der nächste Stolperstein. Die Hypo-Vereinsbank konnte bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) keinen Kredit für Loder beantragen. Der Apotheker war dort gesperrt, weil die Apobank ihrerseits vorsorglich bereits einen Antrag gestellt hatte. Es sei dann vereinbart worden, dass die Apobank die KfW über das Missverständnis informiere und den Antrag zurückziehe, berichtet Loder.

Doch anscheinend wurde der KfW mitgeteilt, Loder habe ohne Angabe von Gründen die Bank gewechselt. Damit sei er weiterhin gesperrt gewesen, berichtet der Apotheker. Erst als die Apobank einem Wechsel der Hausbank zustimmte und der KfW-Antrag mit zur Hypo-Vereinsbank umziehen konnte, ging die Sache über die Bühne.

Die Apobank wollte sich auf Nachfrage zu der Angelegenheit nicht äußern. Loder hat sich über das Verhalten seiner bisherigen Hausbank maßlos geärgert. Erst nach seiner Kündigung habe der Geschäftsstellenleiter ihn angerufen und mitgeteilt, dass es sich bei der Bürgschaft nur um einen Vorschlag gehandelt habe, man könne auch darauf verzichten. Das habe zuvor immer anders geklungen, so Loder. Angesichts eines siebenstelligen Gesamtengagements bei der Bank kann er das Vorgehen nicht verstehen.

Er sei seit Jahren Stammkunde der Apobank gewesen, berichtet Loder, der bisherige Inhaber der Versandapotheke ebenfalls. „Dass die Apobank es nicht schafft, hier einen Verkaufsvertrag zu vermitteln, ist schlicht Unvermögen“, so Loder. Im neuen Jahr wird er auch mit seinen beiden Apotheken die Bank wechseln.

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