OTC-Hersteller

Schaper & Brümmer: Nolte/Wolcke statt Caspar

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Berlin -

Bei Schaper & Brümmer gibt es einen Wechsel in der Geschäftsführung: Susanne Caspar hat den Mittelständler aus Salzgitter nach fünf Jahren verlassen. Der Esberitox-Hersteller wird künftig von zwei bisherigen Bereichsleitern als Doppelspitze geführt.

Caspar ist Biologin und kennt die Branche aus dem Effeff: Nach verschiedenen Station unter anderem bei Whitehall Much arbeitete sie ab Herbst 2000 vier Jahre lang als Marketingleiterin bei Merck Selbstmedikation. 2006 war sie ein Jahr lang als Interimsmanagerin unter anderem für Rentschler, Medice und Zur Rose tätig. Dann übernahm sie die Leitung von Steiner Arzneimittel; der Sedariston-Hersteller gehört heute zu Aristo.

2012 war sie Partner bei der Unternehmensberatung Thom & Partner, im November desselben Jahres übernahm sie die Leitung von Schaper & Brümmer. Bis dahin war der Familienbetrieb von Arne Schaper geleitet worden; der Enkel des Firmengründers zog sich 2014 nach 20 Jahren aus dem operativen Geschäft zurück. In Salzgitter war Caspar eigentlich sehr erfolgreich: Vier Jahre lang wuchsen die Umsätze zweistellig. Dennoch trennten sich die Wege zum 31. Januar.

Mit Klaus-Ulrich Nolte und Nils Ole Wolcke bilden der bisherige Leiter der Arzneimittelzulassung sowie der bisherige Marketing- und Vertriebsleiter ab sofort die neue Geschäftsführung. Nolte ist ebenfalls Biologe, er hatte im Bereich Immunologie, Transfusionsmedizin und Onkologie in Hannover promoviert. Der 60-Jährige arbeitet seit 1999 für Schaper & Brümmer. Seit 2008 ist er Mitglied der Geschäftsleitung und unter anderem für die Zulassung zuständig. Wolcke ist seit 2001 im Unternehmen. Der 48-Jährige war für den Bereich Leiter Marketing und Vertrieb in Deutschland verantwortlich.

Die neue Doppelspitze soll die „strategischen Herausforderungen der Zukunft“ meistern. „Durch unsere unterschiedlichen Schwerpunkte werden wirtschaftliche und wissenschaftliche Orientierung ideal miteinander verknüpft“, so Nolte. „Wir sind ein Familienunternehmen mit viel Know-how, Erfahrung und Persönlichkeit – das macht uns aus, das ist unsere Stärke. Das möchten wir fördern und mit Stolz leben“, ergänzt Wolcke.

Das Führungsduo soll schwerpunktmäßig den Export des Unternehmens vorantreiben, insbesondere das China-Geschäft. Vom Umsatz von rund 35 Millionen Euro entfällt knapp die Hälfte auf das Ausland. Umsatzstärkste Produkte von Schaper & Brümmer sind Remifemin und Remifemin plus, Esberitox sowie Cystinol. Jüngster Neuzugang war 2015 Vitango.

Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 230 Mitarbeiter, davon sind 40 im Außendienst tätig. Außerdem ist Schaper & Brümmer mit knapp 25 Prozent am Zulassungsdienstleister Grünwalder beteiligt, der unter anderem das Sinupret-Generikum Solvohexal zur Marktreife gebracht hat. Die elf Gesellschafter sind die Nachkommen der beiden Firmengründer; mittlerweile ist die 4. Generation vertreten.

Schaper & Brümmer war 1923 durch den Chemiker Erich Schaper und den Kaufmann Albert Brümmer gegründet worden. Der Entschluss zur Selbstständigkeit fiel bei einer langen Wanderung durch die Lüneburger Heide. Die jungen Männer wollten selbst homöopathische und biologische Arzneimittel herstellen. Nach dem Grundsatz der Naturstoff-Forschung wurden die ersten Produkte im sogenannten „Ringelheimer Salbenkocher“ hergestellt. Das Geschäft lief gut: Nach zwei Jahren kauften die Jungunternehmer ein Grundstück in Ringelheim-Salzgitter – den heutigen Firmensitz.

In den 1930er Jahren wurden mehr als 80 Präparate angeboten. Darunter waren Mittel gegen Arterienverkalkung oder Wurmtabletten. 1937 kam das Erkältungsmittel Esberitox auf den Markt, auf das bis heute 40 Prozent der Erlöse entfallen. Nach dem Zweiten Weltkrieg forcierten die Schaper und Brümmer die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Ärzten. 1952 stieg der Umsatz erstmals auf 2 Millionen Deutsche Mark.

Die 1960er Jahre waren geprägt vom Export. Erste Kontakte wurden nach Südamerika, Frankreich und Japan geknüpft. Da die beiden Männer nicht das Nazi-Regime unterstützt hatten, hatten sie die Alliierten auf ihrer Seite. In Großbritannien erhielten sie eine Produktionserlaubnis sowie eine Reisegenehmigungen, um ihre Arzneimittel vertreiben und Rohstoffe einkaufen zu können. Ein Großteil der Pflanzen wird mittlerweile selbst auf einer 25 Hektar großen Fläche angebaut.

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