Dynamischer Energiekostenbeitrag

Sanacorp: Gebühr je nach Dieselpreis

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Berlin -

Die Sanacorp hat sich lange zurückgehalten – doch jetzt wird die Genossenschaft bei den Apotheken neue Gebühren eintreiben. Nach Informationen von APOTHEKE ADHOC ist ein „dynamischer Energiekostenbeitrag“ vorgesehen. Die Sanacorp will sich direkt an den Spritpreisen orientieren.

Kund:innen der Sanacorp können demnächst morgens auf dem Weg zur Apotheke bei der Tankstelle vorbeifahren und dort ihr eigenen Einkaufskonditionen ablesen. Denn der Großhändler will sich an den aktuellen Dieselpreisen orientieren. Je nach Literpreis an der Zapfsäule werden die Apotheken vermutlich ab August mit einer entsprechenden Gebühr pro Tour zur Kasse gebeten.

Nach vom Großhändler nicht bestätigten Gerüchten soll die Staffelung so aussehen:

Dieselpreis/lGebühr/Tour
1,25 - 1,49 Euro 1,25 Euro
1,50 - 1,74 Euro1,50 Euro
1,75 - 1,99 Euro 1,75 Euro
2,00 - 2,24 Euro usw2,00 Euro usw

Die Tourgebühr hatte sich abgezeichnet. Die Sanacorp hatte auf Nachfrage wiederholt betont, man prüfe die Notwendigkeit, auf die gestiegenen Energiepreise zu reagieren. Ab August soll es nun wohl so weit sein. Auch für zusätzliche Touren ab der dritten Fahrt wird die Genossenschaft wohl die Hand aufhalten. Da selbst bei einem Dieselpreis von 1,25 Euro schon ein Beitrag fällig wird, kann in der vermeintlich transparenten Kondition auch eine versteckte Kürzung gesehen werden. Offen ist zudem, wie verbindlich die Anpassung für die Sanacorp ist, ob also jede Spritpreissenkung zwangsläufig zu niedrigeren Gebühren führt.

Damit reiht sich die Sanacorp in das aktuelle Marktgeschehen ein. Die Noweda hatte im März ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt und dies gegenüber den Apotheken ausführlich begründet: Spritpreise, Mindestlohngesetz, steigender Anteil der Hochpreiser und die Umsetzung der GDP-Leitlinien machten eine Anpassung der Geschäftsbeziehung unumgänglich. Im Werkzeugkasten waren ein pauschaler oder prozentualer Mindestlohn- und Energiekostenausgleich, eine Anpassung des Handelsspannenausgleichs sowie Kürzung beim Skonto oder den OTC-Konditionen.

Branchenweite Sprit-Gebühren

Die Sparmaßnahmen wurden wie immer individuell ausgehandelt. Nach ersten Berichten aus der Branche bekommen selbst größere Gruppen von Apotheken nicht alle Kürzungen wegverhandelt. Mindestens jeweils 125 Euro monatlich für die Energiekosten und Mindestlohn soll der Außendienst dem Vernehmen nach aus den Apotheken mitbringen.

Gehe/AHD verlangt seit April 1,98 Euro pro Tour und Apotheke, der Privatgroßhändler Kehr ebenfalls seit April 2 Euro pro Tour. Marktführer Phoenix hat im Mai einen „Leistungsbeitrag“ in Höhe von 0,75 Prozent eingeführt. Zusätzlich wird für Kühlartikel eine Gebühr von 2 Euro pro Auslieferzeile fällig.

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