Großhandels-Razzia

Das sagen die Großhändler

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Berlin -

Die Vorwürfe wiegen schwer: Nach dem Ende der Rabattschlacht Anfang 2016 sollen sich die Großhändler darauf verständigt haben, sich gegenseitig keine Apotheken mit Erstlieferantenverhältnis mehr abspenstig zu machen. Konkret sollen ab Juli keine neuen Angebote als Hauptlieferant mehr angenommen worden sein. Das sagen die betroffenen Firmen.

Phoenix bestätigte, dass in Mannheim, München und Fürth aufgrund des Verdachtes wettbewerbsbeschränkender Absprachen beim Vertrieb Durchsuchungen stattgefunden haben. „Phoenix sichert zu, die Untersuchungsmaßnahmen der Ermittlungsbehörden in vollem Umfang zu unterstützen, damit die Vorwürfe so schnell wie möglich aufgeklärt werden können“, so der Sprecher.

Hanns-Heinrich Kehr von Pharma Privat sagte, sein Verbund fühle sich nicht betroffen. Er habe keinen Anwalt gerufen, sondern die uneingeschränkte Zusammenarbeit angeboten, das Angebot einer Kronzeugenregelung aber abgelehnt. „Ich kann nur einen Bonus annehmen, wenn ich eine Strafe erwarte. Und ich könnte auch keine Informationen zu den Vorwürfen geben.“ Laut Kehr prüfen die Wettbewerbshüter eine kurzfristige Marktberuhigung seit dem 1. Juli, die er aber nicht feststellen könne. Die Ermittler hätten nur wenige Unterlagen mitgenommen, die keinen der Vorwürfe in irgendeiner Form erhärten könnten.

Von Gehe hieß es nur, man unterstütze die Behörden selbstverständlich vollumfänglich. Zu laufenden Ermittlungen wolle man sich aber nicht äußern.

Ein Sprecher der Sanacorp bestätigte, dass es Durchsuchungen in Planegg und Ulm gegeben habe. In der Hauptverwaltung würden zur Stunde noch Daten sichergestellt. Wie immer kooperiere man vollumfänglich mit den Behörden, man habe nichts zu verbergen.

Allerdings kenne man die Erkenntnisse der Ermittler im Einzelnen noch nicht; da es im betroffenen Zeitraum aber Umsatzwanderungen gegeben habe, würde man sich wundern, wenn die Vorwürfe sich bestätigten. Man habe eine weiße Weste, die Beamten hätten Zugriff auf alle geforderten Daten.

AEP-Chef Jens Graefe sagte: „Auch wenn wir zuerst natürlich von der Durchsuchung überrascht waren, begrüßen wir natürlich eine solche Untersuchung des Kartellamtes ausdrücklich. Wir gehen auch davon aus, dass die AEP nur durchsucht wurde, weil sie ja einer der wichtigen Pharmagroßhändler ist, und weniger, weil der Verdacht nahe liegt, dass wir in mögliche Wettebwerbsabsprachen involviert sind.“

Im Übrigen stehe das Angebot von AEP seit 2,5 Jahren unverändert jeder Apotheke frei. „Wir freuen uns über jede neue Apotheke, ganz gleich in welcher Lieferposition“, so Graefe.

Die Durchsuchungen fanden laut Kartellamt an mehreren Unternehmensstandorten statt; insgesamt waren 50 Mitarbeiter des Bundeskartellamtes an der Maßnahme beteiligt, die von Kräften der örtlichen Kriminalpolizei unterstützt wurden. Betroffen waren neben Phoenix, Gehe, Sanacorp, AEP und Pharma Privat auch Alliance, Noweda und Hageda Stumpf.

Weiter hieß es aus Bonn: „Die Durchsuchung dient der Sicherung von Beweismitteln, die den Verdacht auf wettbewerbsbeschränkende Verhaltensweisen bestätigen oder entkräften können. Bis zum Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung. Deshalb machen wir zum jetzigen Zeitpunkt auch keine weiteren Angaben zu den durchsuchten Unternehmen.“

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