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Pohl-Boskamp

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Berlin -

Pohl-Boskamp präsentiert sich als offenes Familienunternehmen. Im März war etwa SPD-Kanzlerkandidat Peer Streinbrück zu Besuch und wurde durch die Produktion geführt. Die Chefetage setzt nach eigenen Angaben auf ein „Du“ und flache Hierarchien. Die aktuellen Rechtsstreitigkeiten mit dem Betriebsrat passen dabei nicht ins Bild.

Das Familienunternehmen wird heute in vierter Generation geführt. Die Betriebswirtin Marianne Boskamp trat 1991 ins Management ein und übernahm nach dem Tod ihres Vaters Arthur Boskamp die Führung komplett. Ihre Schwester Ulrike Boskamp ist Kunsthistorikerin in Berlin.

Unterstützt wird die Chefin in der Geschäftsführung von ihrem Ehemann, dem Chemiker Dr. Henning Ueck, sowie dem Chemiker Dr. Michael Schmidt und dem Apotheker Dr. Thomas Höppner.

Boskamp begreift ihre Angestellte laut eigenen Angaben nicht als „Befehlsempfänger – sondern 'Unternehmer im Unternehmen'“. Sie selbst ist öffentlichkeitsscheu. In der aktuellen Debatte mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft hat sie sich schließlich doch zu Wort gemeldet.

Nach fristlosen Kündigungen und dem Versuch das Arbeitnehmergremium aufzulösen, betonte Boskamp, dass ihr ein Betriebsrat generell wichtig sei. Mit den aktuellen Vertretern wolle sie jedoch nicht mehr zusammenarbeiten. Nun soll das Gericht den Streit entscheiden.

Beim Besuch von Steinbrück fand Boskamp klare Worte. Sie mahnte die Tendenz zur Arzneimittelherstellung im Ausland an: „Wenn es so weitergeht, gibt es auf Rezept bald nur noch Billigmedikamente, die in Niedriglohnländern produziert werden, und die teuren patentgeschützten Arzneimittel.“ Daraus ergäben sich für mittelständische deutsche Unternehmen Nachteile.

Den Ursprung von Pohl-Boskamp liegt wie bei vielen Herstellern in einer Apotheke. 1890 kaufte Otto Eisengarten, der Urgroßvater der heutigen Firmenleiterin, das Unternehmen Pohl vom Apotheker Georg Gustav Pohl. Der Name Boskamp geht auf den Schwiegersohn Eisengartens zurück – Kurt Boskamp hatte 1921 die Leitung übernommen. Unter seiner Regie wurden die beiden heute wichtigsten Produkte, Gelomyrtol und Nitrolingual, in Kapselform entwickelt.

Das bekannteste Produkt ist Gelomyrtol. Erstmals wurde das Mittel 1935 unter dem Namen „Gelodurat Myrtol“ eingeführt. Die Kapseltechnologie, die dem Präparat zugrunde liegt, stammt aus dem Jahr 1878. In den 1970er Jahren wurde die Marke in ihrer heutigen Form eingeführt – der Durchbruch für das Unternehmen.

Nach der Streichung aus dem Leistungskatalog der Kassen im Jahr 2004 brach das Geschäft mit Gelomyrtol ein – auf unter 20 Millionen Euro und 5 Millionen Packungen im Jahr 2007. Neben Gelomyrtol und Nitrolingual-Spray zählt das 2006 eingeführte Läusemittel Nyda mittlerweile zu den stärksten Produkten des Unternehmens.

2010 wurden nach Firmenangaben 260 Millionen Gelomyrtol-Kapseln, 5 Millionen Flaschen Nitrolingual-Spray und 1,4 Millionen Flaschen Nyda produziert. Der Hersteller mit 500 Mitarbeitern erwirtschaftete einen Umsatz von 76 Millionen Euro und einen Gewinn von 6 Millionen Euro.

Etwa 30 Prozent des Geschäfts macht der Hersteller im Ausland, unter anderem in den USA, China, Großbritannien, den Niederlanden, Russland und Österreich.

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