Allergiegeplagten stehen im Rahmen der Selbstmedikation neue Therapieoptionen zur Verfügung. Für die topische Anwendung sind Olopatadin-haltige Augentropfen und Azelastin/Fluticason-haltige Nasensprays in die Sichtwahl eingezogen.
Anfang 2023 hat der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht einstimmig empfohlen, den Antrag auf einen OTC-Switch für Olopatadin zur Anwendung am Auge anzunehmen. Die Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) wurde entsprechend angepasst.
Olopatadin ist zugelassen zur Behandlung okulärer Anzeichen und Symptome der saisonalen allergischen Konjunktivitis bei Erwachsenen. Das hochwirksame, selektive Antiallergikum wirkt auf verschiedenen Wegen. Zum einen wird die Wirkung von Histamin durch Antagonismus am Histamin-H1-Rezeptor gehemmt und zum anderen die Histamin-induzierte Produktion entzündungsfördernder Zytokine durch konjunktivale Epithelzellen verhindert. In-vitro-Studien lassen darauf schließen, dass der Wirkstoff direkt auf Mastzellen der menschlichen Bindehaut wirken kann. In der Folge wird die Ausschüttung entzündungsfördernder Mediatoren gehemmt. Außerdem soll Olopatadin bei okulärer Gabe bei Patient:innen mit durchgängigem Tränennasengang die Nasensymptome mindern.
In der Regel soll zweimal täglich ein Tropfen in das betroffene Auge gegeben werden. In Kombination mit anderen Augentropfen ist ein Abstand von etwa fünf bis zehn Minuten einzuhalten. Kontaktlinsen sollten mit einem Abstand von 15 Minuten eingesetzt werden. Zu den unerwünschten Arzneimittelwirkungen gehören unter anderem lokale Reaktionen am Auge wie Augenreizungen oder trockenes Auge.
Alltrevo (Actrevo) und Optilegra (Opella.)
Cromoglicinsäure
Cromoglicinsäure ist ein Mastzellstabilisator und in Schwangerschaft und Stillzeit Mittel der Wahl. Der Wirkstoff mindert die Histaminausschüttung durch Hemmung der Chloridkanäle der Mastzellen. Augentropfen mit Cromoglicinsäure sollten zweimal täglich zu je einem Tropfen angewendet werden. Die maximale Dosierung liegt bei viermal täglich je ein Tropfen.
Azelastin
Azelastin ist ein Phthalazinon-Derivat und besitzt eine starke und langanhaltende antiallergische Wirkung. Die Substanz besitzt selektiv H1-antagonistische Eigenschaften sowie eine antientzündliche Wirkung. Die Augentropfen sind zur Behandlung und Vorbeugung der Symptome der saisonalen allergischen Konjunktivitis ab vier Jahren sowie zur Behandlung der Symptome der nicht-saisonalen (perennialen) allergischen Konjunktivitis ab zwölf Jahren zugelassen. Zweimal täglich soll je ein Tropfen in das betroffene Auge – maximal viermal täglich ein Tropfen – gegeben werden.
Levocabastin
Levocabastin kann als Augentropfen ab einem Alter von einem Jahr angewendet werden. Der Wirkstoff ist zur Behandlung der allergischen Konjunktivitis einschließlich Conjunctivitis vernalis zugelassen. Betroffene können zweimal täglich je ein Tropfen in jedes Auge – maximal viermal täglich – geben.
Ketotifen
Das Antihistaminikum entfaltet seine Wirkung am H1-Rezeptor und wirkt zusätzlich als Mastzellenstabilisator und hemmt somit die Freisetzung von Histamin. Ketotifen ist in Augentropfen enthalten.
Alle Wirkstoffe sind zur Behandlung der allergischen Konjunktivitis zugelassen und haben mit Ausnahme von Cromoglicinsäure einen raschen Wirkeintritt und eine Wirkdauer von circa acht bis zwölf Stunden. Cromoglicinsäure ist nicht für den Akutfall geeignet. Die Behandlung sollte prophylaktisch, und zwar bereits ein bis zwei Wochen vor Beginn der Allergiesaison, starten.
Levocabastin besitzt keine Mastzellen-stabilisierenden Eigenschaften. Olopatadin in Alltrevo ist als Lösung und nicht als Suspension im Handel. Darum ist ein Aufschütteln vor der Anwendung nicht nötig. Zudem ist Alltevo nur für Erwachsene und nicht für Kinder geeignet.
Mehrere Anläufe hatte die Kombination Azelastin und Fluticason für den OTC-Switch zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer saisonaler allergischer Rhinitis von Erwachsenen nach deren ärztlicher Erstdiagnose und wenn eine Monotherapie entweder mit einem intranasalen Antihistaminikum oder einem Glukokortikoid nicht als ausreichend erachtet wird, gebraucht. Seit Februar 2025 ist die Kombination Azelastin und Fluticason zur nasalen Anwendung rezeptfrei. Im November wurden die ersten OTC-Nasensprays gelauncht.
Fluticasonpropionatist ein synthetisches, dreifach fluoriertes Kortikosteroid und besitzt stark entzündungshemmende Eigenschaften. Der Wirkstoff ist drei- bis fünfmal stärker als Dexamethason, wobei die systemische Bioverfügbarkeit von Fluticason bei etwa 2 Prozent liegt.
Azelastin ist ein selektives Antihistaminikum vom Typ der H1-Blocker der zweiten Generation und kommt zur symptomatischen Behandlung der saisonalen allergischen Rhinitis (Heuschnupfen) bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab sechs Jahren zum Einsatz. Das rezepftfreie Antihistaminikum besitzt eine starke und langanhaltende antiallergische Wirkung und entfaltet selektiv H1-antagonistische Eigenschaften sowie eine antientzündliche Wirkung. Histamin kann nicht mehr an den Rezeptor binden.
Duoallerg (Galenpharma), Lorano Azelastin/Fluticason Allergiespray bei Heuschnupfen (Hexal), Nasallegra (Opella) und Snup Allerg (Stada)
Cortison-Nasensprays sind zur symptomatischen Behandlung von Heuschnupfen zugelassen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Heuschnupfen-Erstdiagnose durch eine/n Ärzt:in gestellt wurde. Im Handel sind Fluticason, Mometason und Beclometason, die ab einem Alter von 18 Jahren im Rahmen der Selbstmedikation eingesetzt werden dürfen.
Die Dosierung ist vom Wirkstoff abhängig.
Betroffene sollten einige Tage Geduld haben, die optimale Wirkung wird nicht innerhalb der ersten zwei Tage erreicht.
Cromoglicinsäure-haltige Nasensprays sollten viermal täglich und bei Bedarf bis zu sechsmal täglich gesprüht werden.
Azelastin-haltige Nasensprays können eine Akut-Hilfe bei allergischer Rhinitis sein und können ab einem Alter von sechs Jahren angewendet werden. Zweimal täglich kann je ein Sprühstoß in jedes Nasenloch gegeben werden.
Levocabastin-haltige Nasensprays kommen zur symptomatischen Behandlung der allergischen Rhinitis zum Einsatz. Betroffene geben zweimal täglich je zwei Sprühstöße in jedes Nasenloch. Die Arzneimittel sind maximal viermal täglich anwendbar.