Medela

Stillhilfe aus der Apotheke

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Berlin -

In den ersten sechs Monaten nach der Geburt sollen Säuglinge nur Muttermilch bekommen, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das ist nicht immer einfach; die Milchpumpen von Medela sollen Müttern und Kindern helfen, die alleine nicht zurecht kommen. Das Unternehmen aus der Schweiz wird nach wie vor von der Gründerfamilie geführt.

Firmengründer Olle Larsson kam eher zufällig in die Branche. Aus beruflichen Gründen zog er 1955 mit seiner Familie von Südschweden in den Kanton Zug; später gründete er dort eine Handelsgesellschaft, über die er verschiedene Produkte aus seinem Heimatland vertrieb. 1961 kam die Anfrage, ob er elektrische Milchpumpen eines schwedischen Herstellers für den Krankenhausgebrauch in der Schweiz einführen wolle.

Ohne sich mit dem Produkt auszukennen, nahm Larsson den Job an. Zuerst gründete er zu diesem Zweck ein Einzelunternehmen, das er drei Jahre später, im Jahr 1965, in eine Aktiengesellschaft umwandelte. Seine Firma nannte er Medela – Akronym für „Medizinische und elektronische Klein-Apparate“.

Larsson setzte sich als Ingenieur bald genauer mit den Milchpumpen auseinander. Im Jahr 1980 brachte er schließlich innerhalb von neun Monaten mit der „Classic Milchpumpe“ die erste Eigenentwicklung auf den Markt. Es folgten zahlreiche weitere Erfindungen von Stillprodukten. Schon 1981 expandierte das Unternehmen ins Ausland und gründet eine Niederlassung in den USA.

Derzeit gibt 18 internationale Tochtergesellschaften; eine davon befindet sich in Deutschland, in Dietersheim bei München. Zudem arbeitet das Unternehmen in 90 weiteren Ländern mit unabhängigen Vertriebspartnern zusammen. Für die Firma sind weltweit etwa 1600 Mitarbeiter tätig.

Medela ist bis heute familiengeführt. Larssons Söhne, Michael und Göran, steuern die Geschicke des Unternehmens im Verwaltungsrat. Im März hat Medela einen neuen Geschäftsführer ernannt: Daniel Frutig-Meier hat Renate Schreiber abgelöst. Schreiber hatte seit 1992 für Medela gearbeitet, seit 2000 in führend Positionen. Frutig-Meier hatte zuvor leitende Positionen in verschiedenen Schweizer Unternehmen inne, so beispielsweise bei Swisscom und AFG.

Mit Milchpumpen und Stillprodukten macht Medela etwa 90 Prozent seines Umsatzes, der im vergangenen Jahr bei 577 Millionen Schweizer Franken lag – umgerechnet mehr als 550 Millionen Euro. Medela stellt auch Muttermilchsauger und verschiedene Stillhilfen her; so beispielsweise Brusthütchen, um die Brustwarzen zu schonen. Zweiter Geschäftsbereich ist „Healthcare“; hier konzentriert sich Medela auf medizinische Vakuumtechnologie. "Thopaz" ist ein digitales Thoraxdrainage-System; außerdem gibt es Instrumente für die Unterdruck-Wundtherapie. Die Pumpe saugt dabei Wundsekret ab, das sich unter dem Verband sammelt und fördert so die Heilung.

Im Stillbereich machen Medela weniger Konkurrenten wie Philips Sorgen, sondern die Hersteller von Milchpulver. Nestlé, Milupa & Co. bieten ihre Produkte als Muttermilchersatz an – laut Medela reicht aber kein künstliches Produkt an Muttermilch heran. Firmenphilosophie ist es, mit den eigenen Produkten jeder Mutter möglichst langes Stillen zu ermöglichen.

Medela betreibt für seine Stillprodukte daher Grundlagenforschung. Partner ist die University of Western Australia mit der Forschungsgruppe um Professor Dr. Peter Hartmann. Für die Kleinkinder hat Medela so etwa den Muttermilchsauger „Calma“ entwickelt: Dieser wurde laut Medela so konzipiert, dass Säuglinge das natürliche Saugverhalten beibehalten können, das sie beim Trinken an der Brust erlernt haben.

Nun wurde nach Angaben des Unternehmens eine neue Version des Aufsatzes für Frühgeborene auf den Markt gebracht, die noch keinen Saugreflex entwickelt haben. „Calmita“ könne ihnen helfen, das Trinken an der Brust zu erlernen.

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