Schleimlöser oder Hustenstiller? Bayer bietet bei Phytohustil beide Produkte an. Damit Patientinnen und Patienten sich schon bei der Suche auf der Website entscheiden können, hat der Hersteller ein KI-Tool installiert.
In Zusammenarbeit mit der Firma Resmonics, einem Spin-off der ETH Zürich und Universität St. Gallen, hat Bayer auf seiner Website einen „Husten-Checker“ installiert. Dabei handelt es sich um eine browsergestützte Künstliche Intelligenz (KI) zur akustischen Analyse von Husten. Besucher der Website sollen so einfach und anonym zwischen trockenem und produktivem Husten unterscheiden können.
Diese Unterscheidung sei nämlich oft nicht einfach, aber entscheidend für eine bestmögliche Behandlung. Insbesondere im Rahmen der Selbstmedikation in der Apotheke spiele die richtige Interpretation eine große Rolle. „Mit der Information, um welche Hustenart es sich handelt, kann das Apothekenpersonal ein passendes Arzneimittel zur Behandlung empfehlen. So können Hustensymptome schnell und effektiv gelindert werden.“
Genau hier soll der Husten-Checker unterstützen: Anhand einer fünfsekündigen Audioaufnahme analysiert die KI die Hustenart und berücksichtigt die Intensität. Die Aufnahme wird laut Bayer durch ein zertifiziertes Medizinprodukt (ResGuard Med) ausgewertet. „Die Anwendung nutzt dafür einen KI-gestützten Algorithmus, der auf zehntausenden Hustengeräuschen trainiert wurde, um zu ermitteln, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein trockener oder produktiver Husten vorliegt.“
Allerdings bietet die KI auch eine Interpretation an, wenn man gar nicht gehustet, sondern nur zwei kurze Silben eingesprochen hat. Bayer betont selbst: „Das Ergebnis dient als Orientierungshilfe. Der Husten-Checker ersetzt nicht die Untersuchung durch eine Ärztin oder einen Arzt und ist nicht zur Erkennung, Diagnose, Vorhersage oder Behandlung von Krankheiten geeignet.“
Allerdings wird man nach der Auswertung ohnehin schnell zu den Produkten weitergeleitet, die man dann auch direkt online bestellen kann. Für die Bestellung in einer Apotheke vor Ort arbeitet der Konzern mit Pharmaworx zusammen, sodass man sich die Ware bei registrierten Apotheken auch liefern lassen kann. Hinter dem Unternehmen mit der Software PX Reach steht unter anderem der Apotheker Lars Peter Wall. Auch die Bestellung bei Versandapotheken wird auf der Phytohustil-Website angeboten.
Bayer testet immer mal wieder digitale Tools, die den Abverkauf der Produkte steigern sollen. Vor neun Jahren installierte der Konzern in einer Apotheke in Österreich einen Gesichtsscanner, um geschlechts- und altersspezifische Werbung ausspielen zu können. Nach Protest von Kunden und Datenschützern wurde das Projekt schnell wieder eingestellt.
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