Großhandel

Sanacorp verliert 300 Mitglieder

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Berlin -

Die Sanacorp hat im vergangenen Jahr 293 Mitglieder verloren, statt 8045 machen noch 7752 Apotheker bei der Genossenschaft aus München mit. 130 Neuzugängen standen 423 Abgänge gegenüber. Begründet wird die Entwicklung mit der rückläufigen Apothekenzahl insgesamt und mit dem 2012 eingeführten Dividendenmodell. Dadurch sei die Mitgliedschaft für inaktive Apotheken unattraktiv geworden.

Die Basisdividende für alle Mitglieder liegt für das vergangene Jahr bei 3,1 Prozent beziehungsweise 230 Euro bei drei Pflichtanteilen à 2500 Euro; nur wer für mehr als 400.000 Euro einkauft, kommt in den Genuss der Zusatzdividende in Höhe von 11,5 Prozent. „Das ist der reale, materielle Vorteil der Genossenschaft, in der die Kunden gleichzeitig die Eigentümer des Unternehmens sind“, so Vorstandschef Dr. Herbert Lang am Samstag bei der Vertreterversammlung in München. In absoluten Zahlen ausgedrückt entspricht die Zusatzdividende einem Betrag von 863 Euro – bezogen auf den Mindestumsatz ergibt das 0,22 Prozent.

Umsatz oder Marktanteile verloren hat die Sanacorp trotz des Mitgliederschwundes nicht. Die Erlöse kletterten um 7,6 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro – bei einem Marktwachstum um 5 Prozent, das laut Sanacorp allerdings ausschließlich auf den Bereich der hochpreisigen Arzneimittel zurückzuführen ist: Das Segment oberhalb von 1284 Euro Apothekenverkaufspreis legte um 30 Prozent zu; der Durchschnittspreis in diesem Bereich stieg von 2644 auf mehr als 3000 Euro.

Rein rechnerisch setzte bei der Genossenschaft jedes Mitglied 530.000 statt 475.000 Euro um; alleine durch das allgemeine Marktwachstum wäre der durchschnittliche Einkaufswert nur auf 498.000 Euro geklettert. Wie viel Umsatzwachstum auf zurückgeholte Hochpreiser zurückzuführen ist, verraten die Zahlen nicht: 2013 hatte die Sanacorp noch auf Umsätze in diesem Segment verzichtet.

Die Zielgröße für die Dividende hatte Lang schon vor einem Jahr ausgegeben: „14 Prozent wollen wir halten und damit besser als der zweite Mitbewerber mit einem solchen Modell bleiben“, so der Sanacorp-Chef mit Verweis auf die Noweda. Im ersten Jahr nach der Umstellung hatten die einkaufsstarken Apotheken bei der Sanacorp eine Dividende von 25,66 Prozent kassiert.

Im vergangenen Jahr hatte die Genossenschaft aus München für die Ausschüttung noch in die Rücklage greifen müssen, 2014 ging es bei der Ertragslage voran: Nach anderthalb Jahren irrationalen Rabattwettbewerbs sei gegen Mitte des Jahres die Vernunft langsam wieder zurückgekehrt, so Lang.

Das Vorsteuerergebnis sprang von 2,7 auf 15,9 Millionen Euro – ein „akzeptabler, aber noch nicht zufriedenstellender Wert“. Eine Prämie für die Mitarbeiter war laut Lang nicht drin, auch wenn diese sie sich „aufgrund ihres kontinuierlichen engagierten Einsatzes sicherlich redlich verdient hätten“.

Im kommenden Jahr treffen sich zur Vertreterversammlung nur noch 138 statt 255 Apotheker. Statt 30 soll jeder Delegierte künftig 50 Mitglieder vertreten. „Die Vertreterzahl wird demnach um 117 Personen verkleinert werden, ohne dass dadurch – und davon bin ich zutiefst überzeugt – der demokratische Grundgedanke unserer Genossenschaft verloren geht“, so Lang.

In Frankreich und Belgien lagen die Erlöse der Schwestergenossenschaft Cerp Rouen mit 3,4 Milliarden Euro beziehungsweise 280 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Die Märkte lagen insgesamt 0,7 Prozent darunter beziehungsweise 0,5 Prozent darüber. Unter dem Strich stand bei Cerp ein Gewinn von 24 Millionen Euro.

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