Generikakonzerne

Stada hofft auf Ärzte und Apotheker

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Berlin -

Stada will den Vorstand nach dem Weggang des ehemaligen Konzernchefs Hartmut Retzlaff um zwei Mitglieder vergrößern. Das Führungsgremium soll auf vier Köpfe ausgeweitet werden: Für Marketing und Vertrieb sowie für Technologie/Entwicklung sollen neue Manager hinzukommen. Der neue Vorsitzende Dr. Matthias Wiedenfels soll den Generikakonzern laut Aufsichtsratschef Dr. Martin Abend weiter führen. Er hofft, dass auch Ärzte und Apotheker zu Hauptversammlung kommen, um den Angriff auf den Konzern abzuwehren.

Neben Wiedenfels ist im Vorstand seit 2010 Helmut Kraft für das Finanzressort zuständig. Nach der plötzlichen Krankheit Retzlaffs und dem daraus einhergehenden Ruhen seines Amtes übernahm er die Bereiche Marketing und Vetrtrieb, Wiedenfels den Vorsitz bis auf Weiteres. Abend spricht sich klar dafür aus, den aktuellen Mann an der Spitze auf dem Chefposten zu belassen. „Es steht dem nicht nur nichts entgegen, es spricht sogar alles dafür“, sagt er.

Laut Wirtschaftswoche gibt es bereits Interessenten für die offenen Stellen bei Stada: „Das ist ein spannendes Unternehmen, der Chefposten wäre reizvoll“, sagte Meda-Chef Jörg-Thomas Dierks dem Blatt. Auch der ehemalige Ratiopharm- und Actavis-Chef Claudio Albrecht gilt demnach als Kandidat. „Stada zu managen wäre sicher vergleichbar mit meiner damaligen Aufgabe, den Generikaanbieter Actavis auf Kurs zu bringen“, sagte er laut Bericht.

Albrecht betont jedoch auf Nachfrage, dass die Meldung über einen möglichen Einstieg bei Stada „völliger Unsinn“ sei. Auch Dierks könnte dem Vernehmen nach nicht ohne Weiteres einsteigen, wenn er nach der Übernahme von Meda durch Mylan ausscheiden würde. Dass die Entscheidung des Kontrollgremiums über die Neubesetzung schon so weit gereift ist, ist ohnehin unwahrscheinlich.

Angesichts der anstehenden Hauptversammlung am kommenden Freitag, wo über den neuen Aufsichtsrat entschieden wird, erwartet Abend statt der sonst üblichen 30 bis 35 Prozent eine Aktienpräsenz von deutlich mehr als 50 Prozent. „In der aktuellen Auseinandersetzung ist das Interesse ungewöhnlich groß.“ Auch Kleinaktionäre aus der Apotheker- und Ärzteschaft, die noch rund 10 Prozent der Stada-Aktien halten, werden sich seiner Einschätzung nach stärker einbringen.

Stada hofft auf eine rege Wahlbeteiligung. Je mehr Aktionäre kommen, desto schwerer haben es die Angreifer, eine Mehrheit durchzusetzen. Eine hohe Wahlbeteiligung sei bei einer so wichtigen Weichenstellung wünschenswert, so ein Sprecher von Abend. „Das gilt gerade auch für Apotheker und Ärzte, die traditionell eine besonders wichtige und geschätzte Aktionärsgruppe sind. Und es gilt umso mehr, wenn eine Minderheit versucht die Kontrolle über eine Gesellschaft zu erringen.“

Der aktivistische Aktionär Active Ownership Capital (AOC) fordert eine komplette Neubesetzung der Kapitalseite des Aufsichtsrates und will Abend nicht mehr an der Spitze des Kontrollgremiums sehen. Im diesem Machtkampf glaubtAbend an eine Mehrheit für seine Linie. Im Gespräch mit den Großinvestoren habe er bessere Argumente als die Kritiker der Unternehmensführung, die seine Abwahl fordern, erklärte er.

„Mein Gefühl für das von uns vorgeschlagene Aufsichtsrats-Team ist ein sehr gutes. In den Gesprächen zeigt sich, dass viele Investoren dessen Qualifikation schätzen und an der langfristigen Entwicklung des Unternehmens interessiert sind.“ Großinvestoren wie etwa die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank DWS, Alliance Global Investors (AGI) und Lupus Alpha haben sich laut Abend klar von AOC distanziert.

Der Konzern müsse sich weiter internationalisieren und mehr Produkte anbieten, räumte Abend ein. Man sei kürzlich in den Kosmetikmarkt eingestiegen und plane, Botox-Präparate anbieten zu können. Zudem gelte es auch die Verbreitung der eigenen Markenartikel in Nord- und Südamerika sowie anderen Regionen zu prüfen. Die Akquisition des britischen Medikamentenherstellers Thornton and Ross in Großbritannien und der Einstieg in Südamerika seien hierfür gelungene Beispiele. Stada hatte zuletzt erhebliche Probleme in Russland und Osteuropa, die neben Deutschland die Kernmärkte darstellen.

Übersteht Abend den Abwahlantrag, will er wie gewählt bis 2018 bleiben. „Bis dahin wollen wir unsere Ziele erreicht haben, und dann müssen andere Köpfe übernehmen“, sagt Abend, der dem Gremium seit 2009 vorsteht. Gemeinsam mit Oetker und den neuen Aufsichtsratsmitgliedern will er dann das Anforderungsprofil für den künftigen Aufsichtsratsvorsitz ab 2018 entwickeln. Bis dahin will er den Dialog mit den Aktionären verstärken.

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